Bis heute lief der Salon du Livre (Gastland: das schöne Mexiko), daher hatte ich bis jetzt noch keine Zeit für die FAS. Ich hatte am Sonntag nur schnell das hervorragende Porträt über Alfred Neven DuMont gelesen, geschrieben von Franz Josef Görtz (S. 59). Es war zu Recht auf der Frontseite der FAS verlinkt, sonst wäre es vielleicht an mir vorbeigegangen, denn anders als Denis Scheck lese ich nicht zuerst den Gesellschafts-Teil, wo kommen wir denn da hin!
Höhere Wesen befahlen: Gómez Dávila abwatschen! Und genau das macht dann Peter Richter gleich am Anfang seines Sigmar-Polke-Artikels (S. 28), in dem es dann aber hauptsächlich um eine mehretappige S.-P.-Ausstellung in Hamburg geht (mit den »Kleinbürger«-Gouachen aus den Siebzigern).
In der MRR-Rubrik diesmal u. a. diese Frage:
Es interessiert mich die Frage sehr, was Bernhard hinter all seinen Werken wirklich sagen wollte?
Diese Formulierung ist einfach so so so herrlich, jede Antwort darauf kann nur schlechter ausfallen. Überhaupt könnte man in Zukunft nur noch die Fragen an MRR abdrucken, keine Antworten mehr, also à la »Der Freund« und seiner unvergessenen Rubrik »Briefe, die wir noch nicht beantwortet haben«.
Für die »Medien«-Seite hat Andreas Rosenfelder ein Interview mit Peter Scholl-L’Amour geführt (S. 37). Nachdem der alte Kämpe neulich in den »3 nach 9« wegen eines blutigen argumentatorischen Anfängerfehlers sehr leiden musste (»Ich wurde in die Falle gelockt«), darf er hier wieder mal anhand von geschickt zugeworfenen Stichworten seine Biografie runtererzählen, wie immer sehr gut zu lesen.
Highlight dieses Feuilletons war ein Henning-Ritter-Artikel (S. 36). Kat Menschik hat diesen mit einem dreigesichtigen Rosa-Luxemburg-Porträt verziert, daher dachte ich zuerst, es handele sich um einen Vorabdruck aus Dietmar Daths im Juni erscheinender R.-L.-Biografie. Es ging dann aber um einige Implikationen des Satzes von der Freiheit der Andersdenkenden, der so ähnlich auch von Voltaire überliefert ist bzw. eben gerade nicht.
Ritter weist noch mal darauf hin, dass Peter Gay darauf hingewiesen hat, dass der Voltaire zugeschriebene Satz aus dem Voltaire-Buch einer amerikanischen Hausfrau stammt, die darin sozusagen in Figurenrede Voltaires Position zusammenfassen wollte. (Recap, dort steht: »›I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it,‹ was his attitude now.« [cf. WP])
Und ach ja, in der Handke-Rezension von Michael Martens gibt es noch diese schöne Formulierung: »Schon vor langer Zeit reisten deutsche Dichter, die meisten heute unbekannt, bis zur Ungooglebarkeit, …« (S. 32).
Usw.
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