Januar und Februar waren gute Feuilleton-Monate, ganz anders als im letzten Jahr. Wir stellen hier die 6 interessantesten, schönsten, bestgeschriebenen, relevantesten, lesenswertesten Feuilleton-Artikel des Jahresbeginns vor, die auch sozusagen automatisch für die Best of Feuilleton 2008 nominiert sind. Hier ist Teil 3:
Peter Urban-Halle: »Der Krimi soll’s richten« (NZZ, 7. 1. 2008)
Warum soll man gleich noch mal die NZZ lesen? Zum Beispiel wegen der Artikel, in denen die literarische Lage einer Region ganz kurz mal eben ausführlich beschrieben wird. Vor zwei Wochen gab es einen gründlichen Artikel über Slowenien (von Wilhelm Baum), und einen Monat davor war dieser kritische Artikel über die dänische Gegenwartsliteratur erschienen.
Wenn in Dänemark im Moment offenbar keine ›echten‹ Schriftsteller erwähnenswert sind, dann könnte man ja wenigstens über die Krimiautoren reden. Peter Urban-Halle meint aber, dass sich wegen der mangelnden literarischen Qualitäten auch das nicht lohne. In Zeiten des skandinavischen Krimi-Booms kriegt es Dänemark irgendwie nicht auf die Reihe, davon zu profitieren.
Insgesamt polemisiert er recht unterhaltsam, etwa gegen die Werke von Stig Dalager, »deren Weltgewandtheit sich darin äussert, dass sie den Kalender nach interessanten Daten durchschauen und danach politisch korrekte Bücher verfassen, den Roman zum Jahrestag sozusagen«.
Neben Heimat und Mythos sei vor allem auch der Körper ein urdänisches Thema, mittlerweile aber eben eher als Obduktionsobjekt im nordischen Kriminalroman. Von der Verknüpfung dieser drei Themenkreise innerhalb eines Krimis verspricht sich P. U.-H. allerdings ein »Literaturfest«. Im Moment scheint die dänische Literatur sowas dringend nötig zu haben.
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