Gestern keine Zeit, deshalb heute Lesen der FAS von genau 6:34 bis 9:06, mit einer Pause am Kaffeeautomaten inkl. Gespräch mit einem der Hausmeister über den gestrigen ZDF-Blogbuster »Das Wunder von Berlin« (ich fing mit der Hessen-Wahl an, aber er winkte ab und fragte stattdessen nach dem Wendefilm mit dem NVA-Punk).
Das FAS-Feuilleton wie immer hinten angefangen zu lesen, daher zuerst der übliche Medienkolumnen-Doppelschlag auf der Seite mit dem TV-Programm: Stefan Niggemeiers »Teletext« und der anschließende, aus dem Fernseher abgeschriebene »Teledialog«.
S. N. schreibt über Niels Ruf, und ich wollte gerade aufhören zu lesen (schon wieder ein Verriss, dachte ich), als es ganz anders gemeint war und Niels Ruf und seine Kotzbrockenserie »Herzog« schön gelobt wurden. Zumindest für nächsten Freitag steht die Serie auch noch in den Online-TV-Zeitschriften, und S. N.s Sorge um eine neuerliche Zu-früh-Absetzung ist vielleicht unbegründet.
Speaking of which, Niggemeiers Mitautor Michael Reufsteck (»Das Fernsehlexikon«, ein ganz großer Wurf der TV-Geschichtsschreibung in Form eines dunkelblauen Ziegelsteins), Reufsteck also schreibt passend zur Niggemeier-Kolumne auf der Seite davor einen Artikel, in dem es genau darum geht: um panische frühzeitige Absetzungen deutscher Eigenproduktionen durch diverse Sender. Die Überschrift des Artikels lässt alle Headliner-Herzen höher schlägen, denn sie lautet: »Die Serienkiller«. Ein Volltreffer.
Volker Weidermann rezensiert dann die rororo-Biografie zu Céline. Das Buch wird gelobt vor allem, aber: »manchmal übertreibt es Geyersbach auch mit seinem Entzauberungswillen«.
Dann schreibt noch Peter Körte über den Sean-Penn-Film »In die Wildnis«. Nach der Lektüre hat man einen Film à la Werner Herzogs Doku »Grizzly Man« vor Augen, der aber nicht erwähnt wird.
Dann mein heutiger Lieblingsartikel: Andreas Kilb über die Ausstellung »Roma e i Barbari«. Warum interessieren uns Größe und Fall des RR, wieso kucken wir alle die HBO-Serie »Rome«, wieso weshalb warum, und Kilb findet eine richtige Antwort:
»Schließlich sind wir alle kleine Möchtegern-Römer, die das Pathos der imperialen Großbauten und den Luxus der zentralgeheizten Villen und Badehäuser bewundern (…)«.
Genau das predigt Millek übrigens schon seit einiger Zeit, nur mit anderen Worten, und wurde so gestern zum Andreas-Kilb-Zitatensammler (eins hat er jetzt schon, hehe).
Dann Reich-Ranicki und seine »Fragen Sie …«-Rubrik. Die wird immer mehr l’arte pour l’arte, und er macht es sich zu einem Spaß, im Prinzip rhetorische Fragen dann doch zu beantworten. Beispiel heute, ein Leser aus Göttingen fragt:
Warum soll ich Richard Ford lesen?
Antwort MRR:
Das weiß ich nicht, wohl aber weiß ich, dass Sie unbedingt Philip Roth lesen sollten und auch John Updike.
Zack! Dann weiter zurückblättern, dahin, wo Claudius Seidl die Tom-Cruise-Biografie von Andrew Morton bespricht und die Position der F-Zeitung in der anhaltenden Tom-Cruise-Debattiererei festigt, und was er unter »erstens« und »zweitens« sagt, ist auf jeden Fall richtig, auch wenn er dabei von »einer deutschen Spielart des McCarthyismus« spricht, hehe. Darüber kann man den Kopf schütteln, aber es klingt jedenfalls nicht schlecht.
Am Ende noch der Aufmacher, »Das Leben der anderen«, ein Artikel von Johanna Adorján über das überbordende öffentliche Interesse am Privatleben der what-so-ever Stars. Er kommt etwas bedenkenträgerig daher, vor allem das Ende, aber die Beispiele sind schlagend, das Phänomen treffend dargestellt, und allein für die Darstellung dieser einen Szene aus der »Late Late Show« mit Craig Ferguson lohnt sich der Artikel.
Soweit die FAS, wie immer jede Zeile wert.
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