Armin Müller-Stahl als russischer Mafiaboss ist ja eigentlich ein Witz. In Amerika mag das funktionieren, aber ich kaufe keinen russischen Mafiaboss mit eindeutig deutschem Akzent. Überhaupt schaffte es kein einziger Russe in diesen Film über Mafiarussen in London.
Aber das ist auch nicht der Punkt, der Film ist von David Cronenberg, der Film läuft rund, der Film fesselt und wird ähnlich packend und stringent erzählt wie »A History of Violence«, und wie dieser wird auch »Eastern Promises« von Viggo Mortensen getragen.
»I am just the driver. I go left. I go right.« Er erklärt das mit stoischer Ruhe – aber natürlich ist der bis auf die Handrücken tätowierte, in schwarzem Zuhälterchic auftretende Mortensen ein bisschen mehr als nur der Fahrer.
Es ist auch ein Film über London, und es ist erfrischend (wenn auch auf schauerliche Weise), die Stadt mal nicht als Kulisse für Filme à la »Bridget Jones«, »Love Actually« oder »Notting Hill« zu sehen. Ein Film wie »Match Point« hatte auch schon andere Seiten gezeigt, auch Brüche. »Eastern Promises« gewährt ebenso ungewohnte Blicke hinter die unscheinbaren Fassaden der Backsteinhäuser.
Dabei ist der Film keine Sozialstudie. Es wird nichts erklärt oder bewertet, es wird einfach gezeigt, und das kompromisslos. Die Kamera bleibt drauf, auch bei den Eruptionen der Gewalt, die ich mir eigentlich weggeblendet oder nur angedeutet wünschen würde.
Und weil der Film keine Sozialstudie, sondern ein Film für große Kinos und ein großes Publikum ist, benötigt er auch keine echten Russen mit Untertiteln, sondern gute Schauspieler, und die (oder einfach nur den?) hat Cronenberg gefunden, zumindest kommt mir das so vor, trotz des Akzents von Müller-Stahl.
Antworte auf den Kommentar von San Andreas Antwort abbrechen