Was für eine FAS mal wieder! Eine Advents- und Wunschlisten-FAS. Eine Larry-David-FAS. Eine Maxim-Biller-FAS. Eine Matussek-FAS. Aber der Reihe nach:
Jürgen Kaube erinnert im Wissenschafts-Teil daran, dass Niklas Luhmann nie ein Buch über Sport geschrieben hat: »Sollte es sich beim Sport gar nicht um ein (…) autonomes Funktionssystem der Gesellschaft handeln?« Die Frage wird dann mehr oder weniger mit »doch« beantwortet, man wird aber lesend vor allem wieder Zeuge von gestochen scharfen Beschreibungen à la Systemtheorie:
»Also erfand man die Liga. Und was ist eine Liga anderes als die Organisation des Interesses an Spielen, die man nicht gesehen hat?«
Dann aber zum Feuilleton, und zwar unter Auslassung des Aufmachers (über Jason Rhoades). Maxim Biller hat »Mein amerikanisches Tagebuch« abgeliefert, und gerade lief ich übrigens hier im Institut Austin über den Weg:
– Sonntag Biller gelesen?
– Yeah, 475 Zeilen Hass!
– Hast du die gezählt?
– Geschätzt.
Billers Bericht beginnt mit einem Horváth’schen »eigentlich«-Satz: »Ich mache das hier nur für Geld, denn Tagebücher sind eigentlich lächerlich.«
Er war also in Nordamerika und hat während dieser »Scheißreise« an verschiedenen Orten vorgelesen. Nach Kanada usw. landet er dann schließlich in New York und versucht sich als New-York-Hasser in der Tradition von Edward Norton, der in »25th Hour« die Standards für eine gesottene Fuck-you-Tirade gesetzt hatte (»Fuck me, fuck you, fuck this whole city and everyone in it«, usw.). Aus Fuck-you wird bei Biller I-hate, und der Hass fällt auch ziemlich kurz aus diesmal.
Am Ende ist übrigens von einem »Prärie-WASP« die Rede, und als »Desperate Housewives«-Addict musste ich einerseits sofort an Bree denken und freute mich andererseits, dass das nicht erklärt wurde. Irgendwie erwarte ich seit der vorletzten »Vanity Fair« ständig, dass mir PISA-artig Dinge erklärt werden, denn da erwähnte Ulf Poschardt in seinem Vorwort die »Dead Kennedys« und irgendjemand hat in Klammern dahinter gesetzt »(eine legendäre Punkband)«.
Weiter in der FAS. Gerade erwischt Matthias Matussek das Lob des »Bild«-Menschen F. J. Wagner, da berichtet Harald Staun, dass MM offenbar vor dem freiwilligen oder unfreiwilligen Rücktritt als Ressortleiter steht. Am Sonntag war das noch unglaublich, mittlerweile ist es wahr. Alle, wirklich alle, hoffen jetzt, dass wenigstens das Vlog überlebt.
Dann die Seite mit dem Fernsehprogramm und der Teletext-Kolumne von Stefan Niggemeier. Diesmal geht es um die Hitler-als-Stromberg-Parodie des »Switch«-Ensembles. Niggemeier lobt vor allem und zu Recht Michael Kessler als Büro-Hitler und trifft den Nagel auf den Kopf:
»Kessler schafft es, Hitler und Stromberg gleichzeitig zu parodieren, ohne zwei Karikaturen aufeinanderzustapeln, (…)«
Soweit das reguläre Feuilleton, doch kurz vor Weihnachten gab es natürlich wieder ein »Feuilleton Extra«. In der Geschenkliste auf Seite B 12 empfiehlt Maxim Biller diesmal nicht »Curb Your Enthusiasm«, sondern die noch nicht auf DVD erschienene sehr gute David-Duchovny- und Natascha-McElhone-Serie »Californication«. Als Bezugsquelle gibt er an: »(aus dem Internet)«.
Das »Curb«-DVD-Empfehlen übernehmen daher diesmal andere, Johanna Adorján und Nils Minkmar. Es ist eben doch die Feuilleton-Serie, wie wir es hier ja immer wieder behaupten. Umso schöner war es, dass es in der Extra-Ausgabe einige Seiten vorher (B 8) sogar einen eigenen »Curb«-Artikel gab.
Schon Jochen Schmidts Hommage in der S-Zeitung neulich war ja nicht nur gut, aber dieser Artikel von Malte Welding ist wirklich enttäuschend. Er redet von »Liebe« gegenüber der Serie, schreibt dann aber nur angelesenes Wissen auf, ohne auch nur einen wahren Satz über die Serie zu verlieren. Big letdown. Gegen Ende, kurz vor der schrecklichen Pointe, steht dann der noch schrecklichere Satz: »Ich ertappe mich schon dabei, Gesten von Larry David zu übernehmen.«
Wenigstens gibt es im Vorgänger-Text auf Spreeblick den Disclaimer: »Dieser Text ist nicht witzig.« Den haben sie bei der FAS vergessen.
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