»Das Grauen vom Lande« eröffnet das sonntägliche Feuilleton, und auf dem Bild zum Text grinst Kurt Beck im kurzärmeligen, karierten Campinghemd, aber es fehlt der »Titanic«-Schriftzug »Knallt die Bestie ab!« – Freitag in Berlin aufgeschlagen, grüßte mich Bruno schon von jeder Zeitung, begonnen mit der Berliner Morgenpost, und da nun ja auch die F-Zeitung ein Bild auf der Titelseite hat, strahlt er auch von dieser.
Die aktuelle »Monocle« (issue 08) hat auch ein FAZ-Bild auf die Titelseite gesetzt, dahinter wahlweise eine junge Frau oder einen jungen Mann mit jeweils schwerer Brille. Ja, richtig, »Monocle« erscheint mit zwei verschiedenen Titelseiten. Gibt es wirklich Leute, die deshalb wissentlich (oder gar unwissentlich, hehe) zwei Mal kaufen?
»Achtung! Hold the front page« heißt der Artikel, und es gibt ein ganzes Zeitungsspezial, das einen netten Überblick über weite Teile der internationalen Zeitungslandschaft gibt. Man erfährt zum Beispiel, dass die japanische Tageszeitung »Yomiuri Shimbun« mit einer 14-Millionen-Auflage erscheint, wow!
Ansonsten: »Horn Of Plenty«, ein Artikel über Djibouti, ist sehr spannend, sowie eine lange Nummer über Murmansk (»High Energy«). In der Politiker-Style-Rubrik geht es um Königin Rania von Jordanien, na ja, immer noch besser, als wenn es um den kurzärmeligen Beck ginge.
Aber zurück zum FAS-Feuilleton. Claudius Seidl meint, dass das Übel an Beck sein Provinzialismus sei und kann das auch sehr gut begründen. Dieser Provinzialismus sei eben nicht nur »ein Mangel an Ausdruck, Form und Haltung, sondern ein Mangel an Substanz« (wie ihn auch Peter Unfried in der taz von heute zitiert). Den Seidl-Artikel bitte lesen!
Wenn man Robert Redford aus rahmenloser Brille aus schwarzem Rollkragenpullover aus schwarzem Hintergrund lächeln sehen möchte, schlägt man das Feuilleton-Buch einmal auf. Man kann aber auch gleich eine Seite weiterblättern und die Rezension über die Herman-Melville-Biografie von Andrew Delbanco durchlesen, und die macht wirklich neugierig. (Der Artikel von Manuel Karasek ist nicht online, daher hier die Kritik des Deutschlandradio).
Daneben dann Peter Richter über das Obdachlosenmagazin »strassenfeger«, welches ich mir tags zuvor in einer Berliner S-Bahn kaufte, auch wegen der »Uta« aus Naumburg auf dem Titelbild.
Und dann gibt es noch einen großen Johanna-Adorján-Artikel über das Pyramiden-Project von Ingo Niermann und Jens Thiel. Die Idee entstammt Niermanns Buch »Umbauland« von 2006. Um das Beschäftigungsproblem Ostdeutschlands zu lösen, schlägt er den Bau eines riesigen Totenmonuments in Form einer Pyramide vor.
Diese traumhafte, etwas spinnerte Idee wurde zum Selbstläufer, und nun fangen tatsächlich einige renommierte Architekturbüros dieser Welt mit Entwürfen an. Mit 89.000 Euro fördert die Bundeskulturstiftung das Projekt, und in der Jury des Architektenwettbewerbs befinden sich Namen wie Rem Koolhaas, Miuccia Prada und Omar Akbar.
Alles in allem wie immer eine super Ausgabe, und ich habe hier nur vom Feuilleton gesprochen.
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