Erst mal finde ich: Wo die »Spiegel«-Woche sich dem Ende zuneigt, sollten wir hier noch ein Zeichen setzen und die von der Bio-Welle überschwemmte, eigentliche Titelstory (»Romantik ist der erste Pop«) nominieren!
Und dann, Paco, Feuilletonator: Deine Sympathiemomente für Matti Matussek teile ich absolut! Er wird ja in Medienkreisen gern zur Hassfigur stilisiert, ich glaube auch Gehrs hat ihn als geistigen Urheber von Rebecca Casatis Second-Life-Story schon mal weggewischt – so nach dem Motto: Der steht sowieso für alles Seichte beim »Spiegel«.
Und genau das stimmt so nicht: Wie er Safranskis Romantik-Studie für den gemeinen »Spiegel«-Leser mit den Koordinaten des Pop nacherzählt (die Leutragasse von Jena als historischer Vorläufer der Kommune 1, Novalis als schwarzer Prinz des Pop usw.), das hat alles Hand und Fuß und Wert.
Wobei, und das werden die Matussek-Kritiker ihm natürlich wieder vorwerfen, nicht ganz rauskommt, ob das im Einzelfall jeweils Safranski- oder Matussek-Gedanken sind. Aber egal, mit all dem, und auch mit dem Matussek-Safranski-Interview (die besten Sätze hier noch mal per »sms«) war das doch eine wunderbare Romantik-Woche im deutschen Feuilleton.
Bei all dem muss ich zugeben: Traditionell bin (war?) ich kein Matussek-Möger. Aber man kann Matussek hinter dem Matussek bei rebell.tv als Sympathieoffensive begreifen. Allein der .ch-Tonfall von sms grundiert einfach mal eine grundsympathische Gesprächssituation und versetzt Matussek in eine schöne Plauderlaune mit interessanten Aussagen.
Insofern ist dieses »fideo« fast schon ein kleines landmark event meiner bisherigen Matussek-Rezeption. Schön auch, wie der »Rebell« den Matussek mit seinen eigenen Klischees konfrontiert (»Man munkelt, der unbeliebteste ›Spiegel‹-Mitarbeiter seien Sie« usw.) und wie dann erst mal prompt die Macho-Szene mit der Sekreteuse kommt.
Und interessant last but not least, wie es im »Spiegel«-Hochhaus zugeht: Dass die Dokumentation da ganz unten sitzt, passt irgendwie in mein Bild von der Augstein/Aust-Festung.
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