Der bekannte amerikanische Regisseur Quentin Tarantino hat mit »Death Proof« seinen ersten Flop gelandet, und man hat dazu allerhand hämische Bemerkungen gelesen. Hier ein paar mehr.
Es scheint tatsächlich so, als hätte das »Regie-Wunder« seinen Pulp-Fiction-Freibrief aufgebraucht; Kritik und Publikum scheinen seiner Masche allmählich überdrüssig. Masche ist ein schweres Wort, doch bei Lichte besehen sind seine Filme dies: simple Geschichten, raffiniert erzählt auf einem nostalgischen Bett vergangener Filmformeln, deftig abgeschmeckt mit bizarrer Gewalt und nur den abartigsten Todesarten, garniert mit ultracoolen Dialogen und als Beilage das Beste aus Tarantinos Plattenschrank.
Vielleicht kein schlechtes Rezept, doch während der frische Wind langsam abflaut, schleicht sich doch der Gedanke ein, der Mann könnte überbewertet worden sein. Die Kritik hatte ihn jubelnd ins Herz geschlossen, seine unbändige Verve genossen, seine Filmkompetenz goutiert. Doch sah das Publikum den Quentin’schen Hintersinn? Ich habe Leute gefragt, warum sie »Kill Bill« gut fanden und bekam Antworten wie »Geile Gemetzel!« oder »Schon allein der Soundtrack!« Und da krieg ich Angst.
Die Cineasten unter uns mögen einwenden, es sei doch egal, aus welchem Grund die unbedarfte Masse diese Filme guckt: Wir sehen sie als mythologische, filmkulturell vernetzte Meisterwerke eines genialischen Autorenfilmers. Bitteschön. Trotzdem muss erlaubt sein zu sticheln, dass Tarantino vor lauter Zitaten und Hommagen gar nicht dazu käme, *eigene* Filme zu drehen.
Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich nie eine romantische Beziehung zu 70er-Jahre-Schundfilmen entwickelt; meine Begeisterung für diese Kunstform hält sich in Grenzen. Sie in »Death Proof« bis ins Detail nachzuempfinden, ist eine Fingerübung für Tarantino, und man kann nicht sagen, sie wäre nicht geglückt. Nur interessiert sie kaum einen. Er hätte auch die Mona Lisa nachmalen können, aber Fakt ist: Es gibt sie schon. Why bother?
Aus Spaß vielleicht. Kino um des Kinos willen. Ein Mann fährt gerne Frauen zu Klump, na klar, die Geschichte fehlte noch im Trash-Kanon. Oder ist da noch mehr? Mancher Rezensent suchte verzweifelt nach etwas, das den Film über sich hinaus wachsen ließe. Die banal-vulgären Dialoge der Heldinnen werden kurzerhand zu intimen feministischen Einblicken glorifiziert – Tarantino als Frauenversteher.
Meinetwegen. Nichtsdestoweniger bleibt der Film klein. Ein Exploitation-Musterbeispiel für Insider, ein nostalgisches Abziehbild, Originalität aus zweiter Hand. Angenehm wahrhaftig in der Realisierung, rund, stilsicher – aber herzlich irrelevant.
Zur Rettung eilt das postmoderne Filmzitat, welches Tarantino zur Kunstform erhoben hat. So klingelt ein ohnehin anachronistisches Handtelefon mit dem Pfeifmotiv aus »Kill Bill« – der Fan klopft sich auf die Schenkel. Doch das hätte er schon in »Kill Bill« tun sollen, denn bereits da war das Stück ein Zitat, nämlich Bernard Hermanns Leitmotiv aus dem Thriller »Twisted Nerve« (1968) – bloß: Wer weiß das schon. Spätestens hier beißt sich die Zitate-Katze in den Schwanz.
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