Kategorie: Kaffeehaus des Monats

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 58)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Das Quebra in Coimbra, ultrafurchtbares Foto, wie in dieser Reihe üblich :-)

    Coimbra
    Das »Quebra« in der Rua do Quebra Costas 45.

    (Das heute nur noch »Quebra« heißende »Quebra Costas« hatten schon Christian Kracht und Eckhart Nickel in »Ferien für immer« (1998) zu einem der schönsten Orte der Welt erklärt. Jetzt, zwölf Jahre danach, sind die hier verkehrenden Studenten immer noch so uneinverstanden wie damals. In der Umgegend – die Sé Velha ist nur ein paar Meter entfernt – haben sie mit Sprühschablone mehrfach den Spruch hinterlassen: »Come o papa, Joana, come o papa!« Das Kinderlied geht eigentlich mit »a papa«, die kleine Joana soll ihren »Brei« essen, soll sich jetzt aber natürlich, Vorsicht: Scherz!, das andere, maskuline »papa« vornehmen, nämlich Papa Benedikt XVI., der im Mai Portugal besucht und sich sicher sehr geärgert hat. Aber zurück zu »Ferien für immer«. Darin werden die Absinthgelage im »Quebra« beschrieben, und die gibt es auch heute noch, man muss das abscheuliche grüne Zeug allerdings mittlerweile per Codewort bestellen, sonst kriegt man wieder nur einen Galão mit Keks, während sich um einen herum langsam alle die Rücken brechen, indem sie die steilen Treppen hinunterfallen, so wie es Kracht und Nickel bereits wahrheitsgemäß beschrieben haben.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 57)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    fyal central, Karlsruhe, ultrafurchtbares Foto, wie in dieser Reihe üblich :-)

    Karlsruhe
    La Cultura del Caffè in der Waldstraße 10
    (nicht weit von der Kunsthalle).

    (Ein deutscher Barista mit NZZ im Zeitungshalter und
    Piemont-Schokoladen auf dem Tresen. Einfach die
    Kaffeebar zur aktuellen Schau »Viaggio in Italia«.)

     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 56)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    fyal central, Münster, ultraschlechtes Foto, wie immer :-)

    Münster
    Das fyal central im Geisbergweg 8.

    (Immer wenn wir ins fyal kommen, ist der Kuchen »gerade alle gewor­den«. Wir lassen uns dann vom Kurierdienst der Familie Krimphove eine Auswahl der besten Tortenkreationen und Petits Fours bringen. Das dauert drei Minuten, denn in Steinwurfnähe betreibt die Familie das »Pain et gâteau«. Dieses Brot- und Kuchenhaus wurde erst vor einem Jahr dort eröffnet, wirkt aber, als sei es mindestens so alt und traditionsreich wie das Göttinger »Cron und Lanz« (1876). Manchmal treffen übrigens während des Aufenthalts im fyal Horrormeldungen ein, so wie gestern, als der bevorstehende Untergang Münsters vermeldet und Angst und Schrecken verbreitet wurden wie damals bei den von Orson Welles inszenierten Radioübertragungen von »War of the Worlds«. Dann bestellt man noch einen Kaffee pur und rückt noch enger zusammen auf den heimeligen Holzbänken des fyal.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 55)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Le Saint Christophe, Bordeaux, Kaffeehaus

    Bordeaux
    Le St. Christophe in der Rue Saint James.

    (Beim Eintreten sofort expressionistische Stimmung: Ein Blecheimer voller Marillen steht auf dem Tresen. Daneben liegt die aktuelle Ausgabe der »Sud Ouest« und sieht aus wie eine Weltzeitung. Im Küchenverschlag schneidet der Hausherr persönlich in hohem Tempo Gemüse. Derweil bedienen seine Enkel die Gäste und dürfen mit deren iPhones spielen. Am Nebentisch betteln die Kinder um einen Zirkusbesuch.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 54)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Casa de Chá im Parque de Serralves

    Porto
    Das Casa de Chá im Parque de Serralves.

    (Ich kam direkt vom Strand, ich hatte einen Deziliter Meerwasser ge­schluckt, es ging mir schrecklich. Trotzdem delirierte ich mich im Museu de Serralves durch die Videos der Dana-Birnbaum-Ausstellung, zuletzt saß ich in so einer unvorstellbar riesigen Dunkelkammer und ging dann hinaus und wankte durch den schattigen Park bis zum Casa de Chá, und dort gab es glücklicherweise etwas zu trinken und auch zu essen. Am Nebentisch saßen zwei Brasilianerinnen, eine junge und eine alte, Durchschnittsalter ca. 35 Jahre, und sie unterhielten sich über diesen einen Roman von Guimarães Rosa und über ihre Fingernägel, und um irgendeine Sängerin ging es auch noch, und völlig irrsinnigerweise war ich ihnen in diesem Moment dankbar, unendlich dankbar.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 53)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Lyon: das Café 203 in der Rue du Garet (absichtlich verzogene Aufnahme, wie immer)

    Lyon
    Das Café 203 in der Rue du Garet.

    (Hier hängt Lektüre an den Wänden. Die anarchistisch-bildungsprotze­rische Auswahl der eingerahmten Zitate besorgt der Hausphilosoph, der nach Mitternacht im Café sein sehr weltmännisches Unwesen treibt. Außerdem eine Hochburg des Kirs: Hier wird Weißwein grundsätzlich geschändet, und zwar anhand der absonderlichsten Sirupe: Feigensirup, Ingwersirup, Mimosensirup oder auch, besonders zu empfehlen: Geraniensirup.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 52)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Osswald, Berlin (absichtlich verzogene Aufnahme, wie immer)

    Berlin
    Das Osswald in der Göhrener Straße.

    (An bestimmten Tagen wird als Backgroundmusik das komplette
    Guns N‘ Roses-Doppelalbum »Use Your Illusion« geloopt.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 51)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Saint-Jean-de-Luz, McDonald's, Avenue de Layatz, verschwommen wie immer (keine Zeit)

    Saint-Jean-de-Luz
    McDonald’s in der Avenue de Layatz.

    (Mehrwöchiger Aufenthalt in Saint-Jean-de-Luz, im Zeichen der
    Ernst-von-Salomon-Forschung. Dort spielt ja eine EvS-Geschichte,
    die in der Erstausgabe den her-vor-ra-gen-den Titel trug: »Boche
    in Frankreich«
    . Zur Erholung las ich dann alte Reclam-Hefte bei
    tatsächlich McDonald’s, dem einzigen normalen Ort in der Stadt, hehe.
    Und in diesem Zusammenhang noch schnell die Idee des Jahres, ich
    zitiere: »Wenn ich einmal Geld brauche, verfasse ich das Drehbuch
    zu einem Biopic über Ernst von Salomon.« – Michael Angele)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 50)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Café Cantona, Leipzig, verschwommen wie immer (keine Zeit), thx to walloftime.net

    Leipzig
    Das Café Cantona in der Windmühlenstraße.

    (Jubiläumswoche beim Umblätterer. 5 Jahre Goldener Maulwurf und
    nun noch das 50. Kaffeehaus des Monats. Im Cantona wurde vor
    einigen Jahren das Consortium Feuilletonorum Insaniaeque gegründet.
    Und zwar unmittelbar im Anschluss an ein Gespräch über die einzige
    lustige Stelle in der »Pietisterey im Fischbein-Rocke«, dem bekanntes-
    ten Werk der Gottschedin. – Ansonsten empfehlen wir, den im Cantona
    erfundenen Drink HEIDEGGER zu nehmen, »an awesome yet some-
    what taxing double shot drink that combines VODKA and KORN«.)
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 49)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Café Menzel, Mühlhausen, Interieur

    Mühlhausen
    Das Café Menzel in der Linsenstraße.

    (Key Facts Mühlhausen: 1. Vor den Toren der
    Stadt wurde Thomas Müntzer hingerichtet.
    2. Innerhalb der Stadttore betreiben die
    Menzels – Konditormeister mit eigener Mühle –
    eine Art Little Austria. Key Facts Ende.)