Autor: Paco

  • Der 18. März 2007 und seine Folgen

    Die FAS ist die nicht nur die beste Sonntagszeitung der Welt, sondern gleichzeitig auch insgesamt die beste Zeitung der Welt. So wie der »Spiegel« das weltbeste Wochenmagazin ist.

    Doch dann erschien die Ausgabe vom 18. März 2007. Verunsicherung. Der Umblätterer sah sich mit einer jämmerlichen Aneinanderreihung von Snip Bits diverser Schreiberlinge konfrontiert, über Dinge, die sie nachts nicht schlafen lassen, und das auch noch anlässlich der Buchmesse zu Leipzig.

    Mehrere Vertrauenspersonen, die wir mit der Information, täglich die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« zu lesen, versorgt hatten, wandten sich enttäuscht an den Umblätterer. Wir haben gerettet und werden weiter retten, was zu retten ist, nach dieser Ausgabe.

  • Verpasst: Matussek vs. Goetz

    Richtig laut kämpfte Roxtons Stimme gegen die von ihm nicht gesehenen Karawanen an, als ich auf gefährliche Weise den Martin-Luther-Ring überquerte, um so schneller ans Ziel zu kommen.

    MATUSSEK! HAT! GOETZ! GEVIDEOBLOGGT! WEGEN! SCHILLER! UMBEDINKT! SOFORT! ANKUCKEN!

    Das ist doch mal was. Wir unterbrachen die telefonische Verbindung Berlin–Leipzig ordnungsgemäß durch gleichzeitiges Auflegen. Ich war gespannt, doch leider habe ich seit einigen Tagen Probleme mit Flash auf dem Handy und klebte mir dafür einen Post-it aufs Display, als Erinnerer. Im Prinzip hatte ich das aber sofort wieder vergessen, denn …

    … jedenfalls saß ich dann kurz zu Hause, klickte auf http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,18755,00.html, woraufhin sich aber der Pop-Up-Blocker mit einer Negativschlagzeile meldete. Etwas genervt wollte ich sofort alle Sicherheitsoptionen deaktivieren, wurde aber wieder unterbrochen. Eine Update-Aufforderung für Firefox 2.0.0.4 aktivierte sich irgendwie (endlich). Selbstständig wollte sich der Browser beenden, nervte aber überraschenderweise mit einer neuen Fehlermeldung, woraufhin ich ihn deinstallierte.

    Ich hatte jetzt wirklich genug von diesem Matussek-gegen-Goetz-Ding, ich wollte nichts mehr wissen, gar nichts mehr, und nur noch schnell den Heise-Newsticker lesen, und so startete ich Lynx und las die interessante Meldung über das Mitteldeutsche Multimediazentrum in »Sachsen-Anstalt« (Oliver Kalkofe).

    Aha, dachte ich. Aha. Und gewöhnte mich an die Idee, Informationen einfach mal entgegen zu nehmen, wie Le Grand Dique.

  • Thea W. Adorno

    Heute morgen lief »Classic-Pop-et cetera« mit Thea Dorn. Sie hat sich ja leider wirklich nach Theodor W. Adorno benannt, und der Witz dabei ist, dass sich Theodor W. Adorno schon nach sich selber benannt hatte.

    Als dann der Schluss der Götterdämmerung aus dem Deutschlandfunk herauspolterte, weil Thea Dorn den eben jetzt senden ließ, fiel ich aus dem Bett und schlug mit dem Kopf auf das SZ-Magazin Nr. 17 vom 27. April 2007. Jetzt oder nie entschied ich mich, den Aufmacherartikel von Andreas Bernard doch nicht für die Top-10 vorzuschlagen.

    »Mag mein kleiner Schnutziputzi mit seinem Engelfrauchen jetzt HappiHappi machen?« – Das ist eine gute Headline, und sehr viel versprechend führt der Untertitel dann mitten ins Blatt: »Weshalb wir mit unserem Partner oft wie mit einem Kleinkind sprechen – und damit unsere Beziehung ruinieren.«

    Die Story selber (Höhepunkt: »Herr Muckenthaler«, Seite 11) ist aber ein Musterbeispiel an nicht eingelösten Versprechungen und hat zum Beispiel mit dem Untertitel nichts mehr zu tun. Hier zeigt es sich, dass es oft besser ist, wenn zuerst die Überschrift da ist, und nur daraufhin der Artikel geschrieben wird.

    Laut Gabriel gibt es in der Szene freilich höchstens drei Headliners, die so gute Überschriften schreiben, dass daraufhin auch Artikel an Autoren vergeben werden.

  • Goetz vs. Lottmann

    Auch Der Umblätterer wurde gefragt, wo er sich bei dieser Dichotomie positioniert. Auf diese Frage müssen wir nicht antworten, aber vielleicht noch mal klar machen, dass wir Goetz alles verdanken, Lottmann in seinem Leben dagegen nur einen einzigen Satz geschrieben oder gesagt hat, der Weltliteratur ist.

    Dieser Satz ist inzwischen so allüberall, dass wir die Quelle, das Ursprungsdatum, gar nicht mehr wissen (anyone?). Wie auch immer. Joachim Lottmann sagte also einmal:

    »Ich bin der deutsche Rainald Goetz.«

    Das ist so groß, großartig, umwerfend, hinreißend und syllogistisch, dass wir den Satz bis heute noch nicht vollständig verstanden haben.

    (Vgl. hier und hier und hier.)

  • Die Titelpolizei

    Die Headliner-Szene ist sehr klein und überschaubar und arbeitet im Prinzip nur für die überregionalen Zeitungen. Manchmal auch für Magazine. Gabriel hat mir mal erzählt, dass er irgendwann kurzfristig mit einem Pornolabel zusammengearbeitet hat, denn da ist die Titelfindung noch wichtiger als im Feuilleton und mindestens genauso diffizil. Am Titel der »Cum Buckets«-Reihe hat er zum Beispiel mitgearbeitet, was immer das jetzt auch heißt, »mitgearbeitet«.

    In der Filmbranche zu arbeiten, ist in der Szene hingegen mehr als verpönt. Und offenbar ist bei der Titelfindung deutscher Synchronisationswerke auch nie ein Profi-Headliner mit zugange gewesen. Die deutschen Titel englischsprachiger Filme sind der Schandfleck der deutschen Gegenwartsästhetik. Wenn sie wenigstens lustig wären.

    Als aktuelles Beispiel dient jetzt mal:

    »Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis«

    Die deutsche Sekundärüberschrift hat rein gar nichts mit dem Film zu tun. Offenbar soll der Film hierzulande an das ehemalige Burt-Reynolds-Publikum vermarktet werden. Was schon schlimm genug ist, weil es Leute mit Cordura sicher davon abhält, so einen Film noch sehen zu können. Wie auch immer, Gabi erzählte mir neulich, dass es eine verdeckt arbeitende Titelpolizei gibt, die alle Verantwortlichen ausmacht und in einem Violet Book verzeichnet. Mehr weiß ich nicht.

  • Darf man das lesen? (Teil 2: »die tageszeitung«)

    Wer erinnert sich nicht daran! Literarisches Quartett. Reich-Ranicki wird auf eine Kritik in der taz hingewiesen. Er wiegelt ab: »Sowas lese ich nicht.« Alle anderen unisono: »Das sollten Sie aber!« Mehr ist dazu nicht zu sagen. taz lesen? Ja. Und zwar jede Ausgabe, und nicht nur am ersten Monatsmontag wegen Gabriele Goettle (dann sogar eher lieber nicht lesen).

  • Epocalypse

    Ich hatte gerade die TV-Geständnisse von Aldag & Zabel kurz wahrgenommen, dann war ich gestern abend noch kurz bei Gabriel, um einen Stoß alter Economist- und Paris Match-Ausgaben abzuliefern (Februar bis März 2007). Gabriels Handy schellte, der Agent brauchte dringendst eine Überschrift oder Tagline zum Epo-Skandal, offenbar für die S-Zeitung. Die F-Zeitung würde das Ganze morgen »Epocalpyse« nennen, offenbar haben die einen neuen Informanten. Gabriel war vor Wochen auch schon auf diese Idee gekommen, hatte sie aber nicht zu seinem Kontaktmann bei der S-Zeitung gepitcht, da das Thema noch nicht genug hochgekocht war. Er rechnete jetzt kurz alle Alternativen durch, fand aber nichts Besseres. So musste sich die Redaktion heute auf sich selbst verlassen. Etappensieg für die F-Zeitung.

  • Darf man das lesen? (Teil 1: »Die Welt«)

    »Die Welt« ist der natürliche erste Kandidat für diese Rubrik, weil die Frage, ob man die »Welt« lesen darf, wirklich ständig gestellt wird. Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die einfachste Antwort lautet: ja. Schon wegen Hans Zippert, dessen Text über das »Schrödertum« 2005 von uns gekürt wurde. Der Umblätterer verteidigt die »Welt« vor allem vor denen, die sie ablehnen. Wobei das eine Kunstform sein kann, und mit ihren Ätztexten gegen Springer setzt die Blogbar eine schöne Tradition fort.

    Tilman Krause hat nach eigenen Worten bei der »Welt« mitgemacht, als man sich dort vor ein paar Jahren entschloss, »endlich mal eine ordentliche Zeitung« zu machen. Seitdem gibt es zum Beispiel das Samstags-Supplement »Literarische Welt«. Trotzdem ignorierte etwa der Perlentaucher die »Welt« jahrelang und berücksichtigte sie als einzige der überregionalen Zeitungen mit Kulturteil nicht. Inzwischen aber schon.

  • Der Erfinder des Blümchensex

    Als wir zur Haltestelle am Roßplatz liefen, spuckte Gabriel die ganze Zeit so nach schräg rechts weg. In der Mensa hatte es Fisch gegeben. Und jetzt war mit Gabriel kein vernünftiges Wort mehr zu reden.

    Die Linie 9 rasselte gerade vorbei und wir liefen ihr mit etwas schnellerem Schritt hinterher. Die Straßenbahn war die Rettung, denn hoffentlich stellte Gabriel dann endlich das Gespucke ein. Er hatte das offenbar vor, und ich sah in den Augenwinkeln, wie er noch mal den gesamten fischigen Restspeichel zusammenzog und wieder nach leicht rechts hinausspie.

    Leider passierte ihn genau in diesem Moment ein Jeansjackenträger, der alles abbekam. »Wah!«, machte Gabriel zur Entschuldigung, und schon landeten wir mit vorberechnetem Schwung in der Tram. Wir sahen dem Speichelopfer nach, das in Zeitlupe das Kinn an die Brust setzte und mit einem Blick den Schaden abfotografierte. Er drehte sich in schnellem Zorn um und fixierte Gabriel, während sich die Türen der Tram automatisch schlossen. Der Angespuckte drosch auf den Türöffner ein, während Gabriel zurückwich und sich dabei fast in einen Kinderwagen setzte. »Ich, schuldigung, ich …«

    Glücklicherweise ging die Tür nicht mehr auf. Von draußen schrie es: »Ich kriege dich! Du Sau! Du Wichser!« Die Straßenbahn fuhr langsam an, und Gabriel suchte leicht torkelnd den Weg an die Tür, schüttelte dabei derb mit dem Kopf und schrie zurück, dass es sich um ein Versehen handelte, »ein Versehen!!!«

    Dann fuhren wir wie geplant zum Botanischen Garten, um uns über das Linné-Special der gestrigen FAS zu unterhalten. Die Headliners hatten dafür die herrliche Überschrift »Der Erfinder des Blümchensex« gefunden, und Gabriel wusste, wer das gewesen sein musste und wie er darauf gekommen war. Dann saßen wir aber die ersten 15 Minuten nur in der Mangrovenwaldecke und sogen die Luft ein.