Autor: Paco

  • Gut gemalt

    SL-IconDie Dresdner Gemäldegalerie »Alte Meister« kann man ja seit gut zwei Monaten im Second Life re:visit:en. Da lohnen sich das Booten von Windows und der Klick auf das SL-Icon endlich mal wieder, trotz des zu Recht nachlassenden Hypes.

    Das ist gleichzeitig eine gute Gelegenheit, um von einem Initialerlebnis des Umblätterers zu erzählen, auf das immer mal wieder verwiesen werden wird. Es geht um die Hybris der Kritik: im Prinzip ein Verbrechen, das wir alle ständig begehen, indem wir uns über Kunst und Literatur äußern.

    Irgendwann im Jahr 2003, also nach der Flut und der Wiedereröffnung. Austin, Dique und ich im Semperschen Museumsbau am Zwinger. Nach dem Treppenaufgang gingen wir schnell noch die Canaletto-Galerie ab …

    Canaletto-Galerie

    … und wollten dann, dem natürlichen Linksdrall folgend sozusagen automatisch in der Parmigianino-Ecke in Saal 118 landen. Von ganz weit hinten schimmerte schon die Sixtinische Madonna so halb durch die Saaltüren. Drei Säle vor unserem Ziel hielten wir aber an, denn …

    Rubens: Der trunkene Herkules

    … vor dem Rubensbild mit dem trunkenen Herkules (1613/14) stand eine Touristengruppe, zu der ein Mann sprach: Der dunkelblaue Museumsführer (M.F.) bemühte sich in seinem jovial-kernigen Dresden-Idiom um die Kunst der äußersten Verknappung. Er verglich das Gemälde mit seiner Werkstatt-Kopie, die unwesentlich später entstand und im selben Saal genau gegenüber hängt. Er zeigte auf verschiedene Stellen des Bildes und sagte:

    »Und wenn Sie mal kucken, hier und da, und dort und dort, das ist auch gut gemalt.«

    Gut gemalt! Das hatte er in vollem Ernst gesagt, und wir sahen uns an und empfanden diesen Satz gleichermaßen als einen absoluten Hammer. Gut gemalt! Sagte da dieser M.F. über das Rubensbild, das war einfach nur geil.

    Eigentlich folgte der M.F. damit nur der Tradition, die dazu geführt hat, dass Rubens nun mal in Museen hängt und für ›gut‹ gehalten wird. Und das haut er jetzt eben einfach noch mal raus. Gleichzeitig gibt er den Touristen einen Happen stark reduzierter Kunstkritik mit auf den Weg: Statt Pinselstrich und Farbauftrag zu erläutern, fasst er einfach mal alles zusammen (wie sonst nur Artoun Dilsizian und Elke Heidenreich).

    Der Kommentar ist so herrlich vermessen. ›Gut gemalt‹, das ist eine unverantwortliche Bemerkung zu diesem Rubensbild (die nicht mal stimmt, hehe). Der Satz ist beliebig und unpräzise, und der M.F. hält ihn sicher sowieso für alle möglichen Bilder der Galerie parat.

    So funktioniert das deutschsprachige Feuilleton im Grunde auch. Das ist das Skandalöse und Brauchbare an dieser Form der Kulturberichterstattung, diese Begrenztheit des Raumes und die dadurch unumgängliche Unterkomplexität, die etwa einen wie Gómez Dávila davon abhält, überhaupt Zeitung zu lesen.

    Der Satz vom gut gemalten Bild schließt auf eine sympathische Weise die Vorstellung eines Werks ab. Das funktioniert natürlich auch als Verriss. Egal, Hauptsache, es geht irgendwie weiter. Es gibt zu viele gut gemalte Sachen auf der Welt, die eben vielleicht gerade nicht gut gemalt sind und von denen man sich sofort wegbegeben sollte zum nächsten gut gemalten Ding, Film, Buch, Artikel.

    Und da standen wir dann vor den beiden Parmigianinos und es machte klick:

    Parmigianino: Die Rosenmadonna und die Madonna mit dem Kind, dem Heiligen Stephan, dem Heiligen Johannes dem Täufer und dem Stifter

    Usw.

  • Selten dämliche Untertitel

    Heute in der F-Zeitung ein schöner Text von Jochen Schimmang, »Ein Mann von 1914« betitelt. Ein Text wie er so fast nur in der F-Zeitung stehen kann. Es handelt sich eigentlich um eine Besprechung eines Bandes mit Reiseprosa von Curzio Malaparte.

    Ein Mann von 1914

    Nebenbei ist der Text aber auch Lexikoneintrag, literaturwissenschaftlicher Abstract, Glosse, Anekdotensammlung usw. Es ist diese Mischung aus Bildung und unterhaltsamem Wahnsinn, die den Besprechungsduktus so einzigartig machen, den heute nur noch die FAZ sowie natürlich FAS und SZ, die diesen Band auch schon besprochen haben, hinkriegen.

    Darum ging es aber gar nicht, als ich eben mit Gabriel mal wieder in der Mensa war, sondern darum: Der besprochene Band heißt »Zwischen Erdbeben« und trägt nämlich den Untertitel »Streifzüge eines europäischen Exzentrikers«, der sicher verkaufsfördernd ausfallen sollte und den J. S. in der F-Zeitung nun einfach mal treffend als »selten dämlich« bezeichnet, und zwar gleich im ersten Absatz.

    Gabriel meinte dann, dass das eine veritable Genrebezeichnung auch für die Ästhetik-Verbrechen der Titelkommission des deutschen Kinos sei: ›selten dämliche Untertitel‹. Das ›selten‹ könne man in diesem Zusammenhang natürlich streichen. Jedenfalls formiere sich jetzt eine Art Unterwanderung, die mit der Arbeit der Titelpolizei zusammenhänge und alle Bereiche der Kulturberichterstattung erfasse. Usw.

  • Meine Jacke

    Ich wollte heute unbedingt schnell weg aus dem Institut, um endlich in Ruhe den »Spiegel« zuende zu lesen. Ich war gestern nacht und heute früh nur bis zum Bayreuth-Artikel von Moritz von Uslar, der Luhmann-NSDAP-Geschichte und dem Tarantino-Verriss von L.-O. Beier gelangt. Und nachdem Oliver Gehrs, der popkulturjunkie und ein Dutzend andere Kulturmenschen so vom F.-J.-Wagner-Artikel über Fauser geschwärmt hatten, wurde es auch für mich mal Zeit.

    Es war wie immer zu früh um zu gehen, und jeder nagelt einem ja noch ein Gespräch ans Knie, wenn man fast als erster nach Hause strebt. Und ich will ja keine schlechte Stimmung verbreiten, deswegen lasse ich mich normalerweise darauf ein. Heute aber wollte ich nicht und griff auf den Trick für den Fall der Fälle zurück. Meine Jacke.

    Obwohl es inzwischen ja derb heiß ist auf der Welt, habe ich immer noch eine Jacke im Institut hängen. Ich ziehe sie natürlich nie an und werfe sie mir nur zum Gehen kurz über. So eine offene Jacke, die sich nach hinten weg in die Stromlinien legt, die durch meine Hast erzeugt werden, ist irgendwie ein überzeugendes Signal dafür, dass ich es jetzt mit guten Gründen eilig habe wegzukommen.

    Ich konnte wieder die langen Flure durchschreiten, ohne aufgehalten zu werden. Draußen gab ich die Jacke wie immer beim Pförtner ab, mit der Bitte, sie bis morgen aufzubewahren. Dann kurz in der Lucca-Bar, und den Fauser-Artikel kann man ja tatsächlich ruhig mal nominieren.

    Er ist ein bisschen gewollt dreckat geschrieben (die Szene mit dem Flachmann bei der Beerdigung usw.), und ansonsten wird noch mal alles verwertet, was Pop ist: Kerouac und Kracht werden erwähnt, außerdem Reich-Ranicki, und die Hälfte des Textes (kleine Übertreibung) schreibt dann auch nicht Wagner, sondern Fauser selber, in Form von Bukowski-artigen Gedichtzitaten.

    Und außerdem gibt es da diesen herrlichen Screenshot mit Westernhagen, aus der »Schneemann«-Verfilmung von 1985. Die Bildunterschrift ist wieder mal ein Hoch auf die Bildredaktion wert: Der auf den Schienen liegende Westernhagen wird kommentiert mit dem Reich-Radetzky-Zitat zu Fausers Klagenfurt-Auftritt 1984: »Er passt nicht hierher«.

  • Yiieeehhaa!

    »Man hilft ihm am besten, wenn man diesen Artikel unerwähnt lässt«, sagte Austin. Ich hatte ihm gerade von Marcus Jauers Wowereit-Tagebuch in der S-Zeitung vom letzten Samstag erzählt. Nicht geschwärmt, aber drei schöne Sachen aus dem Kopf zitiert.

    Diese Beispiele wurden mir sofort um die Ohren gehauen: »Jaaaaa, das ist doch aber …«, und »Na jaaaaa, ja, aber …«, und »Das ist doch nicht …«, so reagierte Austin dann indefinitely. Ich erinnerte ihn an letztes Jahr, als er für M. J. gevotet hatte, aber es half nichts. Nach dem Text sei vor dem Text.

    Selbe Sachlage neulich: Ich war gutgläubig mit dem Schirrmacher-Aufmachertext über Stauffenberg/George vs. Cruise/Hubbard mitgegangen und hatte für Le Dique den FAS-Report übernommen. Hinterher schickte er eine Mail, in der drinstand: »Oh Gott«.

    Dique fand den Text schon nach dem zweiten Wort so durchsichtig wie einen Gaze-Schleier auf einem blinkenden Raumschiff und war wütend über meine willing suspension of disbelief. Grundlos fing ich daraufhin eine .txt-Datei an, in der ich Ausreden formulierte. Die ist inzwischen wieder gelöscht, denn …

    … am nächsten Tag traf ich glücklicherweise gleich früh um 7 Millek im Institut. Er fing sofort mit dem Twist in dem Schirrmacher-Text an, wie gut ihm das gefallen habe, wie überraschend das gewesen sei usw. »Yiieeehhaa!«, sagte ich, wie Kramer an einer Stelle in »The Soup Nazi«, und schickte Dique gleich vom Handy aus eine Hatemail. (hehe)

  • Die wahre Frankfurter Rundschau

    Marcuccios im Namen des Umblätterers geschriebenen Lese-Wegweiser ist nichts hinzuzufügen. Nur diese Fußnoten:

    Das wahre Feuilleton der FR wird seit Jahren im Titel-Magazin weitergeschrieben. Der ehemalige FR-Feuilletonhäuptling Wolfram Schütte ist dort keinem redaktionellen Zwang mehr unterworfen und treibt Literaturberichterstattung nach eigenem Gusto. Auf dem Schirm der Feuilletonredaktionen ist das TM spätestens seit seinem Zwischenruf zur »Lolita«-Abkupfer-Debatte 2004.

    Man muss aber auch mal kritisieren, dass Schüttes Texte nicht wirklich netzaffin sind, sondern im Prinzip noch ein Printmedium als Outputorgan imaginieren. Oder wer hat diesen Walser-»Essay in 10 Teilen« gelesen?

    Zurück zur FR, die auch heute noch gute und interessante Literaturredakteure wie Ina Hartwig hat. Im Gedächtnis bleiben vom FR-Feuilleton aber vor allem die Hammertexte ihrer freien Autoren. Stephan Maus‘ Totalverriss von Christa Wolfs pathetischem Leidensbuch »Leibhaftig« (FR vom 20. März 2002) gehört mittlerweile zu den Standardtexten literaturkritischer Polemik in der Post-Reich-Ranicki-Ära. (Ansonsten gilt, was der Umblätterer im Dezember 2005 in der Laudatio auf Stephan Maus geschrieben hat.)

    Dann die Kolumne »Times mager«: Die versteht immer keiner, weil keiner weiß, was »Times mager« bedeuten soll. Ok, es ist eine Schrifttype, es hängt da irgendwie eine Assoziation zu ›mageren Zeiten‹ mit drin usw., aber trotzdem: What in the fuck! Gabriel zum Beispiel schüttelt immer noch den Kopf über so wenig Gespür beim Betiteln einer so wichtigen Textsorte wie der identitätsbildenden Glosse: »Wer hat sich denn sowas ausgedacht!«

    Die taz zum Beispiel hat es mit ihrem Seite-1-Begrüßungskästchen richtig gemacht: Erst wollten sie es »tagesschau« nennen wie die gleichnamige TV-Show (gibt’s die noch?, hehe). Das wurde ihnen jedoch untersagt. Jetzt heißt das Kästchen »verboten«, und in wirklich JEDER Ausgabe steht mit dabei: »verboten darf nicht tagesschau heißen«. Wir alle wissen, dass das der wahre Titel ist, »einer der schönsten Kolumnentitel ever«, sagt Gabriel und sage auch ich.

    Zurück zur FR. Der Einstieg der SPD-Medienholding und die bald darauf erfolgte unfreiwillige Bezeichnung als »abhängige Tageszeitung« seien jetzt mal nur en passant erwähnt. Zum Schluss aber noch ein Kommentar zum Tabloid-Format, mit dem die FR seit dem 30. Mai. d. J. seine Texte ausliefert. So revolutionär die Einführung des Tabloid-Formats im deutschen Qualitätszeitungsmarkt auch ist, sie trägt weiter zur Verwässerung der FR bei, weil dadurch die Buch-Struktur zerstört wird. Wo ist denn jetzt das verdammte Feuilleton! Blätter, blätter, blätter …

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 8)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Das Restaurante Munich in der Eligio Ayala

    Asunción
    Das Restaurante Munich in der Eligio Ayala.

    (Ein Hardy-Krüger-blonder
    Mann tritt an unseren Tisch:
    »Jungs, seid ihr Schweizer?«)

  • Schirrmacher trickst

    Wie jeder normale Mensch liest auch Dique jeden Sonntag die FAS und hat das auch gestern getan, aber gerade mailte er, dass er »noch nicht fertig« sei. Deswegen übernehme ich jetzt schnell unser fast montägliches FAS-Watchblog.

    Ich kam gestern am frühen Nachmittag vom Hbf., wo ich die Sonntagszeitung gerade erstanden hatte. Im Gehen liest man ungenauer und langsamer, und deswegen war ich erst am Museum auf dem Sachsenplatz, als mich die Pointe des Aufmacher-Artikels des Feuilletons viel zu spät traf, genau in der Mitte des Textes.

    Ich stolperte ins Gras und las dort den Rest. Der Artikel stammte vom »alten Schirrmacher« (M. Matussek) persönlich, war mit »Die unmögliche Mission« betitelt und handelte natürlich vom »Valkyrie«-Filmprojekt, bei dem Scientology-Cruise die Hauptrolle spielen wird.

    Obwohl die halbe Seite 23 das berüchtigte s/w-Foto mit dem abgewandten Stefan George und den beiden Stauffenberg-Brüdern zierte, hatte ich keine Sekunde an den George-Kreis gedacht. Schirrmachers Trick funktionierte bei mir sehr gut: Er beschreibt Fama und Praktiken des Stefan-George-Schwärmer-Vereins, ohne ihn namentlich zu erwähnen. Die Worte waren so gewählt, dass jeder natürlich sofort an Scientology dachte, es wurde fast schon langweilig, und dann:

    »So stehen die Dinge, und so stehen sie nicht gut. Aber hier ist nicht die Rede von Tom Cruise, sondern von Claus Graf Schenk von Stauffenberg, und nicht von Scientology, sondern vom George-Kreis, von jenem Milieu also, dem Stauffenberg seine entscheidende Prägung verdankte.«

    Der angestrengte Vergleich ist so gewagt wie eine Übersetzung von »Finnegans Wake« ins Althebräische, das sagt der Autor so ähnlich auch selber, aber das ist auch mal sehr gut und thematisiert schön, dass bei dieser derzeitigen Diskussion alle immer über Cruise‘ Sekte reden, als ob es wirklich darum ginge. Das Ganze stützt natürlich auch die bisherige Linie der FAZ-Berichterstattung (Donnersmarck am Dienstag, Wefing am Mittwoch und in der FAS jetzt auch Körte, mit einem schönen Gesamtblick auf Cruise‘ andere Militärfilme, S. 25.)

    Nun war ich nach Schirrmachers Trick dermaßen misstrauisch geworden, dass ich für den Rest der FAS fast doppelt so viel Zeit benötigte wie gewöhnlich, denn überall argwöhnte ich den nächsten stilistischen Kniff und wollte sowas auf keinen Fall noch mal auf den Leim gehen.

    Bei dem Artikel zum Harry-Potter-Film Nr. 5, geschrieben von Mathias Hoffmann, vermutete ich dann auch sofort einen ähnlichen Effekt. M. H. gelingt es, nach so vielen Jahren und bei soviel beklopptem Hype das Genre der Harry-Potter-Berichterstattung aufzulockern. Er beschreibt die Genese der Buch- und der Filmserie, als ob es sie nicht bereits gäbe. Am Ende, nach dem ganzen Beschreibungsfleiß, folgt dann die Schirrmacher-artige Pointe:

    »Und dieser Junge, Sie haben es sicher schon erraten, da er ein zweifelnder Waise ist, heißt: Hamlet.«

    Good golly! Das stimmt doch gar nicht! Nichts passt zu Hamlet in dem Bericht, GAR NICHTS, ich stand kurz vor dem Zerreißen der Seite, aber dann wird im letzten Absatz der Effekt zurückgenommen, es handelt sich um Harry Potter, natürlich um Harry Potter. Ein Gähnen setzt ein, aber der Autor hat das Kunststück vollbracht, dass das eben erst am Ende des Artikels passiert.

    Und weiter.

  • Headlinerz auf Übungs-Safari

    Gabriel erzählte mir neulich, dass die erste Beta vom Windows-Safari bei den Headlinerz überaus beliebt ist. Eben weil diese verfrüht als ›Beta‹ bezeichnete Version 3.0 zumindest bei nichtenglischen Versionen KEINE ÜBERSCHRIFTEN anzeigt.

    Im Prinzip wird wegen irgendeines Bugs alles, was mit < h_ > getaggt wurde, ausgelassen. Gabriel sprach, ungelogen, von »paradiesischen Zuständen«, von »Texten als Freiwild« für die Headlinerz.

    The Waste Land zu lesen »ohne diese scheiß Überschrift«, die Online-Texte der SZ endlich ohne ihre fürs Web teilweise geänderten Titel, SP*N ohne Boulevard-Headlines (Screenshot) – da käme der Text endlich mal wieder »zur Besinnung«. Usw.

    Das alles hätte außerdem den Charme eines Lückentextes im Übungsteil eines Lehrbuchs:

    Aufgabe 1:
    Rechnen Sie gewissenhaft die fehlenden Überschriften aus!

    Inzwischen ist der Fehler in der Version 3.0.2 behoben, aber ein Update kommt für die Scene nicht infrage. Da die alte Version zurzeit nicht mal bei oldversion.com vorrätig ist, hüten die Headlinerz ihre Install-Datei wie ihren Augapfel.

    Ich sagte Gabriel noch, dass er in egal welchem Browser mit einem User-Stylesheet ganz gezielt dafür sorgen kann, dass keine Überschriften angezeigt werden. Davon will er nichts wissen. »Natürliche Schönheit von Dingen ist das Stichwort.«

  • 94 Prozent

    Gabriel hat wiederholt behauptet, dass er Kristina Maidt-Zinke nicht kenne: »Ich kenne sie nicht.« Das kann natürlich eigentlich nicht stimmen, aber deswegen unterhielt ich mich mit Austin über K. M.-Z., und zwar mehrere Minuten.

    Sie hatte von der SZ die Bachmann-Berichterstattung übergeben bekommen und schrieb heute – wie man erschließen kann – darüber, dass es ihr erstes Live-Jahr in Klagenfurt gewesen ist. Erschließen muss man dass, weil sie nicht »ich« schreibt. Sie schreibt ja nicht mal mehr »man«, denn so lautet ihr erster Satz (Seite 11):

    »Auch das gibt es: seit mehr als einem Jahrzehnt mit Literaturkritik befasst und noch nie im Wörthersee geschwommen.«

    Es folgt ein Wortspielscherz mit Wörthersee/Wörtermeer, und irgendwann geht die Rezension mit den Worten »Nun ja …« zu Ende. Kein einziges »ich« rutscht ihr heraus, dabei hat man (habe ich, hehe) ja deutlich mitbekommen, dass sie da gewesen ist, also sie selber jetzt.

    In diesem Zusammenhang kommt wieder Claudia Leyendeckers hier bereits erwähnte Dissertation ins Spiel. Sie vermerkt, dass tendenziell ca. 94 Prozent aller Rezensionen in der ich-losen, unpersönlichen Form geschrieben sind. Sie bezieht sich dabei überraschenderweise auf Dr. Mathias Döpfners Dissertation »Musikkritik in Deutschland nach 1945«, erschienen im Jahr 1991:

    »Damit [egal] konnte Döpfner zunächst die inhaltliche Form von Musikkritiken charakterisieren. Weitere Ergebnisse seiner Studie beziehen sich auf den sprachlichen Bereich. Und da stellte Döpfner fest, dass 94 Prozent der Artikel überwiegend in der dritten Person Singular gehalten sind.« (S. 8)

    Ausnahme ist wie immer Joachim Kaiser.

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 6)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Die Café-Bar Esprit in der Langen Geismarstraße 19

    Göttingen
    Die Café-Bar Esprit in der Langen Geismarstraße 19.

    (Sonntags liegt die FAS in 3 Exemplaren aus.)