Autor: Paco

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 9)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Pokatscherl im Európa Kávéház in Budapest

    Budapest
    Das Európa Kávéház in der Szent István Körut.

    (Das Stipendium war mager, aber für den täglichen
    Besuch im Európa Kávéház hat es immer noch gereicht,
    zumal die aus dem Goethe-Institut geklauten
    FAZ-Ausgaben für uns gratis waren. –– Gabriel)

  • Das Buch als Ziegelstein

    Es ist ein ziemlich abgehangenes Sprachbild: das vom Buch, das dick und massiv wie ein Ziegelstein sei. Tobias Lehmkuhl hat neulich für die S-Zeitung den Band »Borges« mit Tagebuchaufzeichnungen von Bioy Casares so beschrieben: »Ein Ziegelstein wirkt klein daneben« (20. 7. 2007, S. 14).

    Lehmkuhl über Casares

    Immerhin, das besprochene Buch übersteigt mit seinen 1664 Seiten das Ziegelstein-Image, und es ist auch nicht mal ziegelrot (wie zuletzt etwa der »Abfall für alle«-Ziegelstein). Und außerdem ist es bisher nur im spanischen Original erschienen und wurde daher auch nicht in die Perlentaucher-Bücherschau mit aufgenommen (in die BLK schon).

    Das weidliche Rezensieren neuer fremdsprachiger Belletristik ist ein rezensorisches Subgenre, das aber in Zeiten der globalen Gleichzeitigkeit an Gewicht gewinnt. Kein deutschsprachiges Feuilleton kann sich mehr leisten, den neuen »Potter«, den neuen Pynchon oder die neuesten Sachen der East-Coast-Parvenüs beim Erscheinen in der Originalsprache zu ignorieren.

    Bei den romanischen Sprachen wird es schon exquisiter. Sven Lager berichtete einmal in der »taz« davon, wie mehrere Bekannte behaupteten, »den neuen Roman von Houellebecq an nur einem Abend auf Französisch verschlungen zu haben«. (hehe)

    Zuletzt war es eine Prestigefrage für alle Zeitungen, eine Rezension des französischsprachigen (genau!) Ziegelstein-Buchs »Les Bienveillantes« zu haben. Der »Borges«-Band von Bioy Casares nun wurde bereits von einigen englischsprachigen Zeitungen besprochen, und jetzt eben auch von der S-Zeitung.

    Usw.

  • Botho Strauß & das Autorenporträt

    Jetzt folgt hier ein kleiner Follow-up-Scoop unsererseits, denn da bisher fast noch niemand wirklich auf den Scoop der »Vanity Fair« reagiert hat, machen wir das jetzt. Es geht um das Botho-Strauß-Porträt von Ingeborg Harms in der Doppelnr. 30/31, S. 136-145.

    Seit dem legendären »Anschwellenden Bocksgesang« im »Spiegel« Nr. 6/93 wurde ja jedes von Strauß öffentlich gesetzte Komma sofort in allen anderen Medien aufgegriffen, bekämpft, verhöhnt, verehrt. Bei der VF-Homestory war das irgendwie anders, und das lag natürlich auch am Genre. Vielleicht haben die anderen Medien auch aus Pietät geschwiegen.

    Es ist nämlich vielleicht keine gute Idee, als großer Schweiger und Verschwinder eine Homestory in einem Societymagazin machen zu lassen – denn so sehr I. H. auch an einer what-so-ever-Tiefe interessiert ist und sich mit dem Werk von Botho Strauß auseinandersetzt, bringt sie auch all die fitzeligen Beobachtungen, die bei Autorenporträts immer so entlarvend sind, für den Beobachteten wie für den Beobachter, etwa wenn von Strauß‘ »sinnlichem Buddha-Mund« die Rede ist.

    Überhaupt ist das Autorenporträt ein Genre, das es zu meiden gilt – als Autor bzw. Autorin. Denn je nach Gusto und Leitlinien des porträtierenden Journalisten wird dann gern jedes ›Hatschi!‹ beschrieben und auf das Werk projiziert. Auch wird der oder die Porträtierte in spärlichen Auszügen zitiert, auf deren Auswahl er oder sie keinerlei Einfluss hat. Bei diesen Snippets wird denn auch kaum ein Originalgedanke durchschimmern können. Da ist ein Interview sicherer. Oder man macht halt den Thomas Pynchon.

    Autorenporträts haben schon zu großen Zerwürfnissen geführt, z. B. das schwer auszuhaltende Helmut-Krausser-Porträt von Tilman Krause im »Tagesspiegel« vom 8. Mai 1996 (die Folgen kann man in den Krausser-Tagebüchern und in den Krause-Rezensionen nachlesen).

    Interviews werden dagegen auch mal von großen Verweigerern eigens genehmigt. Zuletzt von Ernst Tugendhat, der das im »taz mag« von neulich (28. Juli 2007) erschienene Gespräch in einem Brief an seine Interviewerin Ulrike Herrmann mit den Worten genehmigt hat: »Ich finde den Text jetzt o.k.« Zum Glück, denn das Entretien mit Tugendhat war ein Interview-Highlight des Feuilleton-Jahres.

    Hat Botho Strauß eigentlich auch so einen Brief verschickt?

  • Matt Groening, Angeber des Jahrzehnts (mindestens)

    In einer älteren Wochenendausgabe der S-Zeitung (7./8. Juli 2007) gab es auf der letzten Seite (S. VIII) der Wochenendbeilage ein Interview mit Matt Groening.

    Derer hat es ja zuletzt einige gegeben, parallel zur Vermarktung des ersten »Simpsons«-Kinofilms, und Groening liest sich wie immer gut, zumal er von Willi Winkler interviewt wird. Doch dann sagt er einen Hammersatz, der ihn auf einen Schlag zum größten Angeber der Weltgeschichte macht. Der Satz der Sätze, der zusätzlich noch mal in eine eigene Textbox gerahmt wurde, lautet:

    »Niemand kennt Thomas Pynchon. Niemand außer mir.«

    Das ist natürlich hervorragend, und vor allem auch deshalb, weil es einfach: stimmt.

    In den Folgen 15.10 und 16.02 der »Simpsons« hat Pynchon sich ja angeblich selbst gesprochen, also eine Thomas-Pynchon-Figur, die eine Papiertüte auf dem Kopf trägt, die wiederum mit einem Fragezeichen verziert ist. Groening beschreibt nun in dem Interview, dass er sich mit Pynchon in New York getroffen hat, um die paar exklusiven Pynchon-Sätze aufzunehmen.

    Außer dem 1957er Foto, das Pynchon als Navy-Rekrut zeigt, gibt es fast kein Bild von ihm. 1998 wurde er dann noch kurz von einem Journalisten der südafrikanischen »Sunday Times« so halb undeutlich abgelichtet, aber das war es dann auch schon.

    Das Lustige an all dem ist: Matt Groening weiß jetzt auch noch, wie Willi Winkler aussieht. Das wissen nämlich die Wenigsten, jedenfalls nicht die Leser von WW. Schließlich lässt er in seine Bücher gern mal Schwarzeneggers Terminator als Autorenfoto drucken.

  • Die Manuskriptschicker

    Als Aufmacher im Gesellschafts-Teil heute eine schöne investigative Reportage: Martin Wittmann hat einen Pauschalurlaub am Plattensee gebucht, und obwohl es ja im weitesten Sinne um ›Urlaub‹ geht, liest sich sein Bericht teilweise wie Günter Wallraffs »Ganz unten«.

    Was man als Sangria saufende Ballermänner kennt, schildert Wittmann nun als Büchsenbier schluckende Balatonmänner, und daher steht sein Artikel »Wo sind die Weiber?« wohl auch nicht im Reise-Teil. Die vom Autor selbst geschossenen Abschreckfotos (S. 51) hätte wohl auch kein »Reise«-Bildredakteur durchgehen lassen. Online gibt es übrigens noch mehr davon.

    Als Ausgleich gibt es im Feuilleton ein paar schöne Teaser-Fotos von Alison Jackson (S. 27). Sie fotografiert Doppelgänger von bekannten Menschen und betreibt so schockierend überzeugende alternate history. Das muss man gesehen haben, zum Beispiel auf ihrer Website.

    Ansonsten »beschwört« MRR seine Leser, ihm bitte keine Manuskripte mehr zu schicken. Das macht er ja schon seit Jahrzehnten, aber sie schicken ihm weiterhin »auch politische, religiöse und philosophische Werke« (S. 28). MRR sollte die Manuskriptschicker mal an einen Webspace-Provider vermitteln, damit sie endlich ihre Traktate rausblasen können. Da ließe sich bestimmt ein Geschäft machen.

    Stefan Niggemeier beschreibt in seiner »Teletext«-Kolumne (S. 32) die Volksmusiksendung »Zauberwelt der Berge« und ihre dramaturgischen Kniffe. Dabei fragt er nach der Überleitungspolizei, die, wie wir wissen, auf besonders misslungene Überleitungen mit irgendwelchen Maßnahmen reagiert. Das ist in diesem Fall laut Niggemeier offenbar nicht geschehen, aber die Arbeit dieser Einsatztruppe ist ja ähnlich mysteriös wie die Arbeit der Titelpolizei.

    Und: Peter Richter schreibt einen hervorragenden Nachruf auf Ulrich Plenzdorf (S. 27), dazu vielleicht später mehr. Jetzt muss ich schnellstens ein paar SZs vom Juni/Juli noch mal checken, die Austin gerade vorbeigebracht hat.

  • Damals vor 6 Jahren

    Die Jüngeren werden sich nicht daran erinnern, dass die Feuilletons der F- und der S-Zeitung mal ziemlich ausführlich das Personal getauscht haben. Das ist erst 6 Jahre her, und trotzdem habe ich gestern im Institut folgenden Dialogfetzen aufgeschnappt:

    -Und Thomas Steinfeld war ja mal bei der FAZ.
    -Niemals! Der schreibt doch immer schon so SZ-ig, der war niemals –

    Doch. Und dass zum Beispiel Edo Reents (erst SZ, jetzt FAZ) und Franziska Augstein (umgekehrt) auch mal für das andere Team gespielt haben, glaubt einem heute ebenfalls keiner mehr.

    Auch, dass es vor 6 Jahren die (überregionale) FAS noch nicht gab. Was müssen das damals für Wams-Bams-Sonntage gewesen sein.

    Als ich später den ungläubigen Institutler wiedertraf, wirkte er vergrätzt. Er hatte inzwischen gegoogelt und auf eine dpa-Meldung geklickt und kämpfte nun mit seiner Niederlage.

  • Beim Zahnarzt

    Ich gehe gern zum Zahnarzt, weil da immer (zumindest bei meiner Zahnärztin) jüngere bis mittelalte »Spiegel«-Ausgaben ausliegen. Da kann ich schön ein paar Texte nachholen, die ich wegen unterschiedlicher Prioritäten bei der Erstdurchsicht auslassen musste.

    Angeteast durch das letztlich interessante Interview, das Julia Encke mit Monika Maron für die letzte FAS geführt hat, lese ich heute dann doch auch noch das im »Spiegel« Nr. 30 vom 23. Juli, S. 140–142. Schön wieder die Bemerkungen zum Ehemann in Marons neuem Roman »Ach Glück«, dem sogenannten »Kleist-Forscher«.

    Aber das absolute Highlight ist die Eingangsfrage der »Spiegel-Leute«. Roman Leick & Volker Hage fragen da nämlich, ob »die Widmung Ihres Romans … einem Hund gilt«. Im Buch selber steht »Für B.«, und dass damit sowohl der Romanhund (»Bredow«) als auch Marons eigener wuscheliger Vierpföter (»Bruno«) gemeint ist, das erscheint nach den ersten Interviewfetzen so plausibel wie literarhistorisch innovativ.

    Während ich so dahinlese, wird das Gespräch an der Anmeldetheke lauter. Da steht ein Mann vom Typus ›aufmüpfiger Zausel‹ und schreit beleidigt: »Wieso könn‘ Sie keinen 500-Euro-Schein wechseln! Ich hab ein Anrecht dadrauf!«

    Die Thekendame betont wiederholt das Missverhältnis zwischen der 10-Euro-Praxisgebühr und dem irgendwie windigen Geldschein, den ihr der Zausel unterjubeln will. Am Ende sagt sie einfach, sie habe nicht so viel Wechselgeld und verschränkt brüsk ihre Arme.

    Der Zausel flucht komische Flüche gegen sie und verlässt schließlich wütend die Praxis. Sie wedelt ihm mit seiner Krankenkassenkarte nach, »Ihre Karte, Sie haben Ihre Chipkarte vergessen!«

    Er hört das noch, faselt aber etwas von hinten reinstecken und ist weg. Die Tür plauzt. Ok, war dann sicher nicht seine eigene Karte, die er da hingelegt hat. Und seine Zahnschmerzen waren dann sicher nur gefaket, so wie der 500-Euro-Schein.

    Eigentlich könnte nun Ruhe einkehren, da entdecke ich am Ende des Interviews, S. 142, rechts unten, einen unfassbaren Fehler:

    »Frau Maron, wie danken Ihnen für dieses Gespräch.«

    Nicht nur, dass der »Spiegel« für diese Schlussformel »wir danken Ihnen für dieses Gespräch« berühmt ist. Das Magazin hat auch die beste Schlussredaktion der Welt.

    Ich fühle mich sofort an den peinlichen »Rückname«Fehler vom August 2004 erinnert, aber weiter komme ich nicht in meinen Überlegungen, denn auf einmal werde ich ins Behandlungszimmer gerufen. Auch das noch. Dabei wollte ich noch schön den Technik-Teil komplettieren.

    Habe mir dann gleich einen neuen Termin geben lassen.

  • Wir Serienjunkiez

    Im wie immer hervorragenden Feuilleton der FAS von vorgestern wurde die Medienseite für einen schönen Artikel von Michael Althen freigeräumt, der die Überschrift trug »Serien sind das neue Kino«:

    »Was ist das? Wo kommt das her? Warum geht es plötzlich allen so? Man redet plötzlich nicht mehr über diesen oder jenen Film, den man gesehen hat, sondern fachsimpelt über die Feinheiten irgendwelcher Wendungen in der dreizehnten Folge der vierten Staffel irgendeiner Fernsehserie.«

    Das Thema ist natürlich schon seit Längerem da, und besonders die Serienjunkies können ein Lied davon singen und tun das auch, wie Christian Junklewitz in seinem Artikel »TV Killed the Movie Star« vom Januar.

    Auch in der F-Zeitung wird das Thema durch Serienberichterstatter wie Dietmar Dath oder Felicitas von Lovenberg ab und zu implizit bedient. Trotzdem bringt der Artikel des Film(!)kritikers Althen die Serieneuphorie zum ersten Mal in größerem Rahmen auf den Punkt, mit der schönen, knallharten Pointe des Titels.

    Angefangen hat »das« übrigens so massiv spätestens Ende September 2004, als die beiden Superserien des Jahrzehnts starteten, »Desperate Housewives« und »Lost«. Seitdem ist niemand mehr satisfaktionsfähig, der nicht auf dem aktuellsten Stand ist, und zwar auf dem Stand der amerikanischen Ausstrahlung.

    Ausschlaggebend für das Denken in Serienstrukturen ist auch das Reden über Staffeln und Folgen, so wie das Althen im obigen Zitat beschreibt. Früher kam halt irgendeine Folge der »Simpsons«, der »Bill Cosby Show«, von »ALF« oder dem »A-Team« im Fernsehen. Die Programmzeitschriften nannten höchstens noch den deutschen Titel der jeweiligen Folge, eine Information, die heute vollkommen unzureichend ist.

    In voller Ausprägung kann man diese neue Kulturtechnik in Dietmar Daths bereits 2003 erschienenem und mittlerweile vergriffenem Buch über »Buffy« sehen (»Sie ist wach. Über ein Mädchen, das hilft, schützt und rettet«, Implex Verlag). Da steht zum Beispiel auf Seite 30:

    »Wir saßen auf dem großen Bett, von dem aus man so gut fernsehen kann. / Der Abspann von ›Normal Again‹, der siebzehnten Folge der sechsten Staffel, lief gerade auf dem Schirm, richtig vorbei war das Erlebnis noch nicht.« Usw.

    So sieht’s aus. Und nebenbei: Was ist nur mit der Blogosphäre los: Fast nirgends wird der Althen-Artikel diskutiert. Könnte aber auch daran liegen, dass der Artikel nicht frei zugänglich ist. Aber vielleicht kommt der noch im Laufe der Woche?

  • Christian Kracht empfängt die Leser …

    … seiner Homepage seit Jahren mit einem Strauß von 42 englischsprachigen Mottos, von denen aber immer nur eines angezeigt wird, nach Zufallsprinzip:

    http://www.christiankracht.com/

    Um alle auf einen Blick zu sehen, muss man nicht per F5 dauernd reloaden. Man kann sich das JavaScript-Variablenfeld, das die Mottos enthält, schön zusammenhängend im Quelltext betrachten (Opera: Strg+F3; Firefox: Strg+U, Safari: cmd+opt+V). Im Quelltext heißt das Feld übrigens nicht »Motto«, sondern »ideas«.

    Es gibt da Zitate aus dem hervorragend spärlichen Tagebuch von Robert Hooke (das Erinnerungen weckt an Janina Turek) oder einfach ein paar Stiltipps aus dem Netz, eine Vokabelwiese aus Roget’s Thesaurus oder einfach mal ein Rezept für veganen Schokoladenkuchen.

    Die Zitatquellen werden im Quelltext nur mit Kommentar-Tags angegeben, erscheinen auf der Homepage selber also nicht. Das ist auch gut so, denn man muss nicht wissen, woher das folgende Zitat stammt, um sich sofort wohl zu fühlen auf Krachts Homepage:

    »According to Mr. Romilly Allen, there are no representations of apes in our churches dating from before the thirteenth century. It is probable that this statement needs qualification.«

    Und wenn der bereits erwähnte Robert Hooke schreibt …

    »Thursday, October 4th. – – Bled at nose. Calld on Mayor. Pappin shewd wind gun.«

    … dann ist das doch einfach mal ein schönes Intermezzo wie wenn Millek mir mitteilt, wie gerade geschehen, dass es im »Telegraph« ab nächster Woche endlich auch ein englisches Menu geben wird.

    Also, demnächst wird der »Telegraph« mal Kaffeehaus des Monats, soviel steht fest.

  • Wie Harry Potter endet …

    … ist komplett egal. Bis dahin sind ja hunderte Seiten zu bestreiten, darüber redet aber kaum einer. Man reagierte mit Empörung, als die NYT das Buch vorab rezensiert hatte, aber Michiko Kakutani hat wenigstens das Ende nicht sofort ausgeplauzt (wie die dpa), sondern sich um Stil und Exegese gekümmert.

    Wolfgang Herrndorf von der Riesenmaschine hat gerade gestern im Interview mit satt.org gemeint: »In der Kunst zählt allein das Wie, Inhalt ist eine Elke-Heidenreich-Kategorie.« Da wäre es doch mal gut, wenn direkt auf dem Buchcover und auch gleich als Headline bei Amazon einfach schon mal dastünde:

    In this episode, Harry dies a fiery death after eating too much chili, Ron gets eaten by Voldem… who himself gets eaten and digested by Hagrid later on, and Hermione becomes head of Hogwarts after winning the lottery.

    Oder wie auch immer. Und dann würde es erst wirklich wieder jemanden interessieren, wie das alles geschrieben ist, ob es am Ende doch nur Kinderbuchenglisch ist oder mehr. Jochen Schmidt zum Beispiel hatte seine lieben Probleme mit dem Hogwarts-Vokabular, wie er gestern in der FAS in einem schönen Antitext zum Hype um den 7. Potter-Band beschrieben hat.

    Als er in dieser Sache von der Redaktion des »Sonntagspropheten« (hehe) angerufen wurde, war ihm klar, dass er jetzt erst mal 10 Jahre Potter aufholen musste: »Dafür werde ich den Redakteur irgendwann in einen Käfer verwandelt in ein unzerbrechliches Glas einsperren.«

    Schmidt brachte sich dann erst mal mit den Wikipedia-Einträgen zu den ersten 6 Bänden auf einen inhaltlichen Mindeststand. Und sagt in seinem Artikel am Ende fast nichts zum Inhalt, sondern lamentiert zeilenweise darüber, dass er nur 12 Stunden Zeit hatte für Lektüre und Artikelablieferung und schon auf dem Weg zum Buch mehrfach so halb weggenickt wäre.

    Und außerdem habe er noch sein Auto mit dem Umzug seiner Schwester vollgeladen gehabt, den er dann noch zwischen 2 Kapiteln ausladen müsse. So endet nämlich Harry Potter: mit einer gepfefferten Rückkehr in die Realität.