Autor: Millek

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 42)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Stolberg/Harz, Friwi

    Stolberg/Harz
    Das FRIWI in der Niedergasse.

    (Gleich ein paar Häuser neben dem Café selbst liegt die etwa tausend Jahre alte FRIWI-Backfabrik. Von dort karren die Kellnerinnen den ganzen Tag edelste Torten hinüber ins Stammhaus, einfach so über die Straße, im Plastekorb. Diese inkommensurablen Kreationen dürften auch einen gestrengen Kuchentester wie Gustav Seibt restlos überzeugen.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 39)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Helsinki, Wayne's Coffee

    Helsinki
    Das Wayne’s Coffee auf dem Bulevardi.

    (Das schnellste WLAN der Stadt, tatsächlich nur in dieser einen Filiale
    der eigentlich gar nicht so unschrecklichen schwedischen Chain.
    Und auch nur hier kommt so alle 2 Stunden dieser eine lustige
    Kellner rausgeschossen und schreit: »No porn, please!« Die
    Neulinge klicken dann ertappt auf ihrem Touchpad herum, bis der
    Spaßvogel sagt: »Just kidding.« So geht das jetzt schon Wochen.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 34)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Il Cigno, Viale Parioli

    Rom
    Il Cigno in der Viale Parioli.

    (Manchmal liegt hier der Corriere della Sera auf der
    genau richtigen Seite aufgeschlagen auf der Glastheke,
    das ist ganz gut, wenn man die Hände voll hat.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 31)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Mansour Eddahbi, Marrakech, Morocco

    Marrakesch
    Das Refektorium des Mansour Eddahbi
    auf dem Blvd. Mohamed VI

    (Lange, aber vergeblich deutschsprachiges Feuilleton
    gesucht. Hervorragender Orangensaft.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 29)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    hatemaniya shel santo, zikhron ya'aqov

    Zichron Ja’akow
    Das Hatemaniya-shel-Santo in der Rehov Hameyasdim.

    (Auf das Hinterhofrestaurant scheint sich in sehr
    wundersamer Weise immer noch der sagenhafte
    Review in der »Jerusalem Post« vom 26. April
    1996 auszuwirken, der auch großformatig
    an einer hinteren Wand aushängt.)

  • Javier Cáceres interviewt Alfredo Di Stéfano: Mann! Bah! Tchis!

    Neulich wurde im Madrider Estadio Santiago Bernabéu eine Alfredo-Di-Stéfano-Bronzestatue enthüllt, die »einem der größten, wenn nicht gar dem größten Fußballer aller Zeiten« gilt, wie Javier Cáceres in der S-Zeitung schreibt (Ausgabe vom 16. 2.). Als gute River-Plate-Fans haben Paco und ich natürlich das aus diesem Anlass geführte Gespräch zwischen Cáceres und dem Geehrten gelesen.

    Vor 2 Jahren hat Cáceres in seinem Buch »Fútbol« geschrieben, dass Di Stéfano ein mittlerweile griesgrämiger Achtzigjähriger sei, der keine Interviews mehr mag. Das kann so nicht stimmen, denn anhand des SZ-Gesprächs sieht man, wieviel Spaß der noch hat. Überhaupt, den Interview-Style kann man gar nicht genug loben:

    Die beiden duzen sich im Deutschen. Entweder kennen sie sich also oder sie haben den ›voseo‹ benutzt, was zwischen einem gebürtigen Chilenen und einem gebürtigen Argentinier nicht unwahrscheinlich ist. Dieser kumpelhafte Ton ist auch der einzig richtige für dieses Gespräch (ganz anders als in der FAS, wo sich Charlotte Roche und Julia Encke neulich siezten, als sie über Intimrasuren sprachen, hehe).

    Und Di Stéfano sagt »Mann!«, also vielleicht ein lässiges »hombre«, ein gefälliges »boludo« wie unter alten Freunden oder eben ein anderes der reichhaltigen »Mann!«-kompatiblen Wörter im Spanischen. Er bezeichnet sich als »ein Kind des Viertels«, das klingt sehr übersetzt, man hört da noch den »pibe del barrio« durch. Und er sagt, dass er die Straßenbahn nehmen musste, um Buenos Aires zu durchqueren – das ist Jahrhunderte her, dass die Capital Federal eine Tram hatte – erst seit Juli 2007 fährt wieder eine.

    Zischgeräusche werden korrekt wiedergegeben: »In Europa ist der Rasen kurz, und der Ball fliegt über die Narbe, als würde ihn jemand – tchis! – ausspucken.« Und auch Antwortfragmente wie »Sí, señor.« bleiben unübersetzt im Originalzustand. Man müsste die sowieso mit »Auf jeden!« oder so übersetzen, jedenfalls nicht mit »Ja, mein Herr.« Wir sind ja nicht im 18. Jahrhundert.

    Als es um das legendäre Glasgower 7:3 geht (Real gg. Eintracht Frankfurt, Finale des Europapokals der Landesmeister 1960, siehe Wikipedia), kommt Di Stéfano auf das perfekte Zusammenspiel seiner Mannschaft zu sprechen: »Puskas mit seinem unfassbaren Antritt, Del Sol … Bah, es war ein Riesenteam.« – Auch dieses kastilische »Bah«: so herrlich und so unübersetzbar.

    »Früher war der Fußball romantischer. Bohème.« sagt Di Stéfano an einer Stelle. Dieser Text ist auch Bohème, ein Musterbeispiel für gelungenes Sportfeuilleton. Bah …

  • Schloss Schleißheim: »Dir sei der Tag – laß uns die Nacht!«

    Trotz schönster Februarsonne wirkte die barocke Parkanlage von Schloss Schleißheim auf uns eigenartig trist. Keine Ahnung, ob das am Graugelb des Rasens, den leicht brüchigen Fassaden oder den wenigen, unmotiviert schlendernden Schlossbesuchern lag.

    Gerade als wir die Ostseite des Schlosses zum zweiten Mal ablaufen wollten, stießen wir am Rande des Parks auf eine Tafel, die schien, als wäre sie von den Tieren des Waldes dort aufgestellt worden:

    Gedicht von den Tieren des Waldes

    Etwas undeutlich handyfotografiert, daher kurz die Transkription:

    Kommst Du – Mensch – in dies Revier,
    vergiß uns nicht, wir leben hier.
    Sind froh und dankbar, genau wie Du,
    gibt man uns Frieden und die Ruh.
    Wir bitten dich sei darauf bedacht:
    »dir sei der Tag – laß uns die Nacht.«
    Drum, wenn die Sonne geht zur Ruh,
    verlasse dann den Wald auch Du.
    Sei morgens nicht so zeitig hier,
    sonst störst du uns und das Revier.
    Vom Dämmern bis zum frühen Morgen,
    da müssen wir für Äsung sorgen.
    Gar eng wurd unser Paradies,
    das uns die Technik übrigließ.
    Lass uns die Dickung, bleib Du auf den Wegen,
    so kommst Du unserer Bitt entgegen.

    Die Tiere des Waldes

    Passagenweise erinnerte uns das Gedicht an die Losung von Connewitzer Punks: »Euch die Macht, uns die Nacht!« Wir fanden es äußerst sympathisch und interessant, mit welchen Mitteln an dieser Stelle für Naturschutz geworben wird.

    Leider bleibt die wahre Autorschaft dieses Gegenentwurfs zur fürstlichen Machtentfaltung von Schloss und Parkanlage verborgen. Ein oberdeutscher Waidmann nutzt das Gedicht jedoch, um auf seiner Website auf das Anliegen der Tiere aufmerksam zu machen. Ob er gleichzeitig der Autor ist, konnte nicht ermittelt werden.

    Dann erinnerten wir uns an den eigentlichen Grund unseres Besuches – »Meisterwerke europäischer Barockmalerei« (Bayerische Staatsgemäldesammlung) – und strebten schnell ins Innere.

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 22)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Adora, Tel Aviv

    Tel Aviv
    Das Adora in der Rehov Ben Yehuda.

    (Milch und Honig, immer wieder Milch und Honig.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 21)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Boké, Kankan

    Kankan
    Das Boké.

    (Einfach ins Zentrum und dann fragen.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 11)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Der Telegraph in Leipzig

    Leipzig
    Der Telegraph am Dittrichring.

    (Morgens ein Italian Basic,
    abends einen Sambuca und nach
    Schließung einen Ramazotti.)