Autor: Josik

  • Marcel Reich-Ranicki

    »Hunde in der Großstadt – quo vadis?«
    (Zitat von www.hundelobby.de)

    Die aktuelle ZEIT, Nr. 42, Seite 85, die Leserbriefecke! Unter der redaktionellen Notiz »Zum Tod vom (sic!) Marcel Reich-Ranicki« ist ein Schreiben von Brigitte Stöber-Harries abgedruckt, Autorin der Bücher »Ein Hund soll es sein«, »Hundesprache verstehen«, »Warum lässt mein Hund mich nicht aufs Sofa?«, »Mein Öko-Hund«, »Ein Welpe kommt ins Haus«, »Der Knigge für Hund und Halter« etc.

    Der Leserbrief setzt an wie ein sozialromantischer Roman aus den 1970er Jahren: »1959: Ubierweg 10 B, Hamburg-Niendorf, Neubaublocks mit Sozialwohnungen, 63 Quadratmeter groß. Meine Eltern hatten einen Berechtigungsschein für so eine Wohnung. Zweieinhalb Zimmer und ein kleiner Balkon! Und ich hatte endlich ein eigenes Zimmer.«

    Er geht weiter wie eine Pearl-S.-Buck-Novelle: »Da meine Mutter eine patente Hausfrau war, suchte Frau Ranicki manchmal Rat bei ihr, oder wir halfen mit einem Haushaltsgerät oder einem Ei aus. (…) die Kenntnis der Natur oder praktisches Wissen waren nicht die Stärke der Ranickis.«

    Und kulminiert schockartig in einer bitteren Anklage, die stilistisch einer aus der Feder von Émile Zola stammenden Flugschrift nicht nachsteht: »Als Reich-Ranicki dann kometenhaft Karriere machte, ließ er Fußvolk wie uns hinter sich. Meine Briefe an ihn blieben ohne Antwort. So hat es mich nicht gewundert, dass er in Mein Leben seine Zeit in Hamburg als eine ohne gute Sozialkontakte beschreibt. Da habe ich gelernt, dass wir uns gerne damit geschmückt haben, einen so berühmten Mann zu kennen, wir für ihn aber unbedeutend waren.«
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 81)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Das Café Dalyano in Dalyan, ein wie immer künstlerisch bescheidenes Foto, sry

    Dalyan
    Das »Café Dalyano« an der Sulungur Caddesi.

    (Im Zeitschriftenstapel neben dem Spielestapel taucht plötzlich z. B. auch die »Marie Claire« auf. Der Chef des Café Dalyano spricht fließend Holländisch, deshalb finden sich im Spielestapel auch ein holländisches »Trivial Pursuit«, ein holländisches »Scrabble« und ein holländisches »Vier gewinnt«. Da wir des Holländischen nicht mächtig sind, überlegen wir kurz, ein bisschen Fantasieholländisch-Scrabble zu spielen. Stattdessen entscheiden wir uns aber, wie es sich gehört, für Backgammon. Jeden Tag kommen wir ein bis drei Mal hierher, da es nirgendwo sonst einen orangigeren Orangensaft und fantastischere Cocktails gibt – auch solche, die gar nicht auf der Karte stehen. Der Caféhund bellt jedes vorüberfahrende Auto an, sehr gut! Irgendwann fangen die Kellner an, sobald sie uns hereinspazieren sehen, uns sofort das Backgammonbrett zu bringen. Statt der »Marie Claire« lesen wir die selbstmitgebrachten »Atlantic«-Hefte, da wir fatalerweise schon zweieinhalb Ausgaben im Lektürerückstand sind. Als wir bei dem Artikel angelangt sind, in dem behauptet wird, Kafka sei overrated, verlässt uns der Mut dennoch nicht. Hier, wo einem der Wein ins Gesicht wächst, ist es viel zu schön, als dass wir uns über eine derart billige Polemik überhaupt erregen könnten. Drei süße holländische Kinder springen vom Nachbartisch herüber und wollen uns das Backgammonbrett abschwatzen. Natürlich darf man sich davon aber nicht erweichen lassen.)
     

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 74 Boris Pasternak: »Über mich selbst« (1956)

    Boris Pasternak hat zwei Autobiografien geschrieben, eine am Ende seines Lebens und die andere schon in seinen Dreißigern. Hier soll natürlich nur die Autobiografie besprochen werden, die er am Ende seines Lebens geschrieben hat. Es wäre ja Unfug, sich mit einer in jungen Jahren entstandenen Autobiografie auseinanderzusetzen, wenn das Leben dieses Autors dann seltsamerweise noch jahrzehntelang weitergeht. Am meisten hat mich in diesem »Versuch einer Autobiografie« die folgende Stelle bestürzt. Über sein Verhältnis zu Sergej Jessenin schreibt Pasternak: »Mal schwuren wir uns in Tränen zerfließend ewige Treue, mal prügelten wir uns bis aufs Blut, und man mußte uns gewaltsam trennen.« Ein sich prügelnder Pasternak? Der zukünftige Nobelpreisträger ein Lausejunge und Raufbold? Das kann man sich schwer vorstellen, wo er doch auf sämtlichen Porträts immer so durchgeistigt aussieht. Diese Autobiografie hält also die eine oder andere schöne Überraschung bereit und man freut sich darüber sehr, denn die hier berichteten Episoden machen Pasternak nahbar und menschlich.

    Länge des Buches: > 115.000 Zeichen. – Ausgaben:

    Boris Pasternak: Über mich selbst. Versuch einer Autobiographie. Aus d. Russ. von Reinhold von Walter. Anm. von Victor Frank. Frankfurt/M.: S. Fischer 1959.

    Boris Pasternak: Über mich selbst. Versuch einer Autobiographie. Überarb. u. erg. von Heddy Pross-Weerth. Überarb. u. erg. Ausg. Frankfurt/M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag 1990.

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 73 Jeremias Gotthelf: »Die schwarze Spinne« (1842)

    Der nachherige Welterfolg »Fifty Shades of Grey« war anfangs bekanntlich nichts anderes als Fanfiction, eine Fortschreibung von »Twilight«. Was sich aber mindestens ebenso gut für eine selbstausgedachte und selbstgeschriebene Fortführung anbieten würde, wäre »Die schwarze Spinne«, eine Novelle, in welcher der Falke eine Spinne ist. Ähnlich wie bei »Twilight« ist nämlich »Die schwarze Spinne« gleichermaßen durchsetzt von realistischen und aber auch Fantasy-Elementen. So verwandelt sich z. B. eine Frau in eine Spinne und einer anderen Frau schwillt das Gesicht auf, »wochenlang konnte man weder Nase noch Augen sehen, den Mund mit Mühe finden«.

    Der Gruselfaktor ist wirklich enorm hoch. Und auch die Frage, warum in ungerechten politischen und sozialen Systemen die doch längst überfälligen Revolutionen so oft ausbleiben, wird, im Hinblick auf die kleinen Leute, ganz nebenbei beantwortet: »Not und Plage hatten den Mut ihnen ausgelöscht, so daß sie keine Kraft mehr zum Zorne hatten, sondern nur noch zum Jammer.« Fazit: Wenn die Uni Bern sich sputet, dann geht es hoffentlich sehr viel schneller als die angekündigten »mindestens 30 Jahre«, bis alle ca. 67 Bände der Historisch-Kritischen Gesamtausgabe der Werke von Jeremias Gotthelf erschienen sind.

    Länge des Buches: ca. 181.000 Zeichen. – Ausgaben:

    Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. Novelle. Hrsg. von Joseph Kiermeier-Debre. München: Dt. Taschenbuch-Verlag 1997.

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 72 Alain de Botton: »Airport« (2009)

    Nachdem der berühmte Twitterer Alain de Botton auf Einladung des Flughafenbetreibers eine Woche auf dem Flughafen Heathrow verbracht hat, um darüber ein hübsches Buch zu schreiben, hat er darüber dieses hübsche Buch geschrieben. Ich habe es neulich im IC 2151 gelesen und danach im ICE 1720 weitergelesen und war so vertieft in die Lektüre, dass ich beim Umsteigen versehentlich meine Schiebermütze liegengelassen habe. Aber es reißt einen eben unvermittelt in den Sog dieses Textes hinein, zumal de Botton in so einem potenziert poetischen Gumbrecht-Style schreibt. Man findet einfach alles, was er sagt, wunderschön, aber würde man hinterher gefragt werden, worum es in dem Buch denn eigentlich ging, wüsste man darauf natürlich keine Antwort. Alain de Bottons »Airport« enthält über 90 Fotografien vom Flughafen Heathrow, tatsächlich findet sich fast auf jeder einzelnen Seite ein prächtiges Foto. Diese Fotos sind wirklich sehr schön, und wer das Buch liest, dem kann ich nur empfehlen, auch den Anblick der sehr, sehr schönen Fotos zu genießen.

    Länge des Buches: ca. 113.000 Zeichen (engl.). – Ausgaben:

    Alain de Botton: Airport. Eine Woche in Heathrow. Aus dem Engl. von Bernhard Robben. Fotogr. von Richard Baker. Frankfurt/M.: S. Fischer 2010.

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

  • 150 berühmte Vornamen

     
    Alice
    Salomon
    Anne
    Frank
    Benjamin
    Franklin
    Billy
    Graham
    Bruno
    Jonas
    Caspar
    David
    Friedrich
    Christa
    Wolf
    Christiane
    Paul
    Claude-
    Oliver
    Rudolph
    Dagmar
    Frederic
    Daryl
    Hannah
    David
    Cameron
    Elton
    John
    Eva
    Herman
    Florian
    Lukas
    Franz
    Marc
    Friedrich
    Nicolai
    George
    Eliot
    George
    Lucas
    Giordano
    Bruno
    Giovanni
    Lorenzo
    Gunter
    Gabriel
    Hans
    Jonas
    Hans-
    Peter
    Martin
    Heinz
    Erhardt
    Heinz
    Ludwig
    Arnold
    Henry
    James
    Hugh
    Laurie
    Hugo
    Claus
    Ilse
    Werner
    Jamie
    Oliver
    Jana
    Ina
    Jean
    Paul
    Jeremias
    Gotthelf
    Joachim
    Herrmann
    John
    Irving
    Jörg
    Friedrich
    Joseph
    Conrad
    Judith
    Hermann
    Karl
    Philipp
    Moritz
    Karl
    Valentin
    Klaus
    Ernst
    Kurt
    Felix
    Leonhard
    Frank
    Lothar
    Matthäus
    Ludwig
    Erhard
    Markus
    Werner
    Marlene
    Dietrich
    Max
    Ernst
    Michael
    Jackson
    Oskar
    Werner
    Otto
    Ludwig
    Paul
    Gerhardt
    Rudolf
    Otto
    Sigmar
    Gabriel
    Sigmund
    Gottlieb
    Stefan
    George
    Susanne
    Lothar
    Thomas
    Bernhard
    Thomas
    Gottschalk
    Torsten
    Franz
    Uljana
    Wolf
    Ulrich
    Wilhelm
    Uwe
    Justus
    Wenzel
    Victor
    Hugo
    Walter
    Benjamin
    Walter
    Scott
    Willibald
    Alexis
    Wolfgang
    Clement
    Wulf
    Kirsten
    Wyclef
    Jean
    Zoë
    Jenny

     

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 70 Fleur Jaeggy: »Die seligen Jahre der Züchtigung« (1989)

    Direkt aufs Cover der Taschenbuchausgabe hat der Verlag folgenden Blurb von Joseph Brodsky gedruckt: »Dauer der Lektüre: etwa vier Stunden. Dauer der Erinnerung: der Rest des Lebens.« Was ersteres angeht, wollte ich mich einfach mal mit Brodsky messen, stellte also die Stoppuhr und fing ganz gemächlich an zu lesen, ohne Hast und ohne Eile. Natürlich traf mich fast der Schlag, als ich in dem »Momentum« (Ro­ger Willemsen), in dem ich das Buch zuklappte, sah, dass meine Lektüre bloß eine Stunde, dreiundfünfzig Minuten und vierunddreißig Sekunden gedauert hatte!

    Brodsky scheint demnach ein sehr langsamer Leser gewesen zu sein. Doch wer weiß, womöglich las er, der ja bekanntlich unter Frühstücks­amnesie litt, diese wunderbare Schweizer Internatsgeschichte auch in ganz normalem Tempo, delektierte sich aber noch stundenlang an Formulierungen wie: »beim Frühstück nahm ich mir zwei oder drei Scheiben Brot mit Butter und Marmelade« (S. 24) und »das Frühstück war immer köstlich« (S. 16). Gegen Ende des Buches wird es dann eher nihilistisch, ein paar Jahre nach Schulabschluss besucht die Ich-Erzählerin ihre ehemalige Mitinternatsschülerin Frédérique in deren neuer Behausung und stellt fest: »Dieses Zimmer ist ein Konzept. Man weiß nicht wovon.« (S. 107)

    Ein anderer schöner Schauplatz in dieser Novelle ist »die Konditorei von Teufen« (S. 27 und 28), wobei die Konditorei als solche hier erheblich besser wegkommt als z. B. in Rosa Luxemburgs Hundertseiter »Die Krise der Sozialdemokratie«, wo es gleich auf der ersten Seite heißt: »Vorbei ist […] das wogende Menschengedränge in den Konditoreien, wo ohrenbetäubende Musik und patriotische Gesänge die höchsten Wellen schlugen.« Die Fassung eines Satzes aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch der Schweiz, wie die Ich-Erzählerin in den »Seligen Jahren der Züchtigung« ihn zitiert, klingt hingegen ebenfalls makellos marxistisch: »›Der Besitzer einer Sache ist derjenige, der die tatsächliche Herrschaft über sie ausübt.‹« (S. 50)

    Länge des Buches: ca. 136.000 Zeichen. – Ausgaben:

    Fleur Jaeggy: Die seligen Jahre der Züchtigung. Novelle. Aus dem Italienischen übersetzt von Barbara Schaden. Berlin: Berlin Verlag, 3. Auflage 1996. S. 3–120 (= 118 Textseiten).

    Fleur Jaeggy: Die seligen Jahre der Züchtigung. Novelle. Aus dem Italienischen übersetzt von Barbara Schaden. Berlin: Berlin Verlag Taschenbuch 2004.

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 69 Alfred Andersch: »Der Vater eines Mörders« (1980)

    »Eine Schulgeschichte« verspricht der Untertitel, und trotz dieses furchtbaren Themas geht’s ulkig los: Gleich auf den ersten Seiten taucht nämlich der Klassenbeste auf und man fragt sich, ob Alfred Andersch sich hier einen grotesken Scherz erlaubt hat, denn dieser Primus heißt doch tatsächlich Werner Schröter. Der Name dieses Werner Schröter klingt wirklich haargenau so wie der Name des berühmten Regisseurs Werner Schroeter. Andersch und Schroeter waren ja halbe Zeitgenossen, und als Schriftsteller benennt man seine Figuren doch wohl nicht ohne Grund nach einem Promi? Das gleiche kann man sich übrigens auch bei Vladimir Nabokov fragen, der in »Ada« an zwei Stellen eine Figur namens Norbert von Miller herumgeistern lässt – hier ist der Name also ebenfalls so gut wie gar nicht verfremdet, denn womöglich ist diese Figur nach Norbert Miller benannt. Norbert Miller selbst wiederum publizierte auch unter diversen Pseudonymen, etwa unter dem Namen Roderich Fuëß. Ein prominenter Namensvetter ist Roderich Reifenrath, der ehemalige Chefredakteur der »Frankfurter Rundschau«, also just jener Zeitung, die den größten Feuilletonskandal des Jahres 1976 entfachte. Damals nämlich ließ Alfred Andersch dort sein Gedicht »artikel 3 (3)« abdrucken, mit den berühmten Versen: »dem geht der / arsch mit grundeis«.

    Länge des Buches: ca. 134.000 Zeichen. – Ausgaben:

    Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte. Berlin; Weimar: Aufbau-Verlag 1981. S. 3–93 (= 91 Textseiten).

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 68 Thomas De Quincey: »Die letzten Tage des Immanuel Kant« (1827/1854)

    Thomas De Quincey ist ja vor allem durch seine Opiumbeichte bekannt, aber eigentlich noch besser ist dieses Büchlein über die letzten Tage des Immanuel Kant. Man muss natürlich nicht alles glauben, was hier behauptet wird, aber es liest sich eben sehr angenehm. Zum Beispiel: »Kant schwitzte niemals«. Oder auch: »Wenn immer jemand vorzeitig starb, pflegte Kant zu sagen: ›Er hat vermutlich Bier getrunken.‹ Oder wenn ein anderer unpäßlich war, fragte er mit Sicherheit: ›Trinkt er etwa Bier?‹«

    Warum Kant hier ein derart extremer Bierhass untergeschoben wird, ist nicht recht ersichtlich. Der deutschen Ausgabe dieses Buches ist im Anhang noch eine kleine Abhandlung »Über den Schädel Kants« beigefügt, mit sehr interessanten Aufnahmen von Kants Totenkopfschädel – von vorne, von hinten und im Profil. Von hinten sieht Kants Totenkopfschädel ein wenig aus wie eine unförmige Kartoffel. Aber heute ist es ja sowieso wissenschaftlich erwiesen, dass diese ganze Schädelforschung oder Totenkopfschädelforschung, in die das 19. Jahrhundert so vernarrt war, völliger Quatsch ist.

    Länge des Buches: ca. 110.000 Zeichen (engl.). – Ausgaben:

    Thomas De Quincey: Die letzten Tage des Immanuel Kant. Aus dem Englischen übersetzt und herausgegeben von Cornelia Langendorf. Mit Beiträgen von Fleur Jaeggy, Giorgio Manganelli und Albert Caraco sowie einem Anhang. München: Matthes & Seitz 1984.

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)

  • 100-Seiten-Bücher – Teil 66 Pearl S. Buck: »Die Frau, die sich wandelt« (1937)

    Als Doris Lessing im Jahr 2007 der Literaturnobelpreis zuerkannt wurde, sagte sie: »I’m 88 years old and they can’t give the Nobel to someone who’s dead, so I think they were probably thinking they’d probably better give it to me now before I’ve popped off.« Als im Jahr 1938 beratschlagt wurde, wer mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werden soll, war Hermann Hesse zum zweiten Mal nominiert. Abgesahnt hat ihn dann aber, im jugendlichen Alter von 46 Jahren, Pearl Sydenstricker Buck, die kein einziger Buchmacher überhaupt auf dem Zettel hatte und von der im Nobelpreiskomitee noch nie zuvor die Rede war. Dies führte dort zur Lex Pearl S. Buck, wonach fortan nie wieder jemand sofort bereits bei der Erstnominierung literaturnobelausgepreist werden darf.

    Pearl S. Buck jedenfalls musste nun niemandem mehr etwas beweisen und konnte nach 1938 machen, was sie wollte. Deshalb hat sie dann auch den Hundertseiter »The Woman who was changed« geschrieben, ein Buch, das sämtliche Ingredienzien für einen Bestseller, Topseller und Longseller enthält und das unbedingt wieder neu aufgelegt werden sollte. Es muss ja nicht unbedingt unter dem ambitionierten Titel »Die Frau, die sich wandelt« sein. Die aus dem Fernsehen bekannte Schriftstellerin Christine Westermann gab einem ihrer Romane den etwas eingängigeren Titel: »Baby, wann heiratest du mich?« Lustigerweise ist dieser Christine-Westermann-Titel auch schon die komplette Inhaltsangabe des beliebten Buckbuchs.

    Länge des Buches: > 115.000 Zeichen. – Ausgaben:

    Pearl S. Buck: Die Frau, die sich wandelt. Roman. Aus dem Amerikanischen von Anke Schmidt. Frankfurt/M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1989. S. 5–107 (= 103 Textseiten).

    (Einführung ins 100-Seiten-Projekt hier. Übersicht über alle Bände hier.)