Autor: Guest Star

  • Hommage an Marcel Reich-Ranicki (1920–2013)»Er war ein nicht ganz schlechter Dichter«

    (Gastbeitrag von cehaem)

    Er war ein hochbegabter russischer Poet. Ja, er war ein nicht ganz schlechter Dichter. Er hat auch Geschichten und Romane geschrieben, die allerdings nicht von literarischer Bedeutung waren. Ein Kritiker hat ihn damals sehr gelobt.

    Ihn zu charakterisieren fällt mir schwer. Für seine Dichtung waren die Frauen und sein Judentum von großer Bedeutung. Ob das eine wichtiger als das andere war, vermag ich nicht zu beurteilen. Er hat zwar keine bedeutenden Werke geschrieben, dafür aber zahlreiche. Für die Älteren waren diese Erzählungen damals lustig.

    Er hat keine Ahnung von Literatur, nun gut, aber muß man das lauthals verkünden? Er hat sich in allen seinen Romanen die größte Mühe gegeben, seine Leser eben nicht zu langweilen, sondern zu amüsieren. Die Romane, die er nach dem Ersten Weltkrieg geschrieben hat, sind allesamt ziemlich schlecht.

    Seine zahlreichen Essays und Rezensionen waren zwar anspruchsvoll, haben aber viele seiner Leser gelangweilt. Einige seiner Biographien sind beinahe so lesenswert wie die Werke der Autoren, mit denen sie sich befassen. Es sind dankbar zu lesende und zugleich vergessene Bücher. Wer Lust hat, mag sich von diesen Büchern weiterhin anregen lassen.

    Es sind inzwischen mehrere Romane von ihm erschienen, und wenn ich mich recht entsinne, wurden die meisten von den Lesern sehr gelobt. Jeder dieser Romane hat den Lesern der Unterhaltungsliteratur offenbar viel Vergnügen verschafft. Seine Bücher sind mir immer wieder empfohlen worden, ich solle sie unbedingt lesen, sie wären hochinteressant. Das mag alles stimmen, aber ich bin nie dazu gekommen.

    Hierüber ist viel zu sagen, aber doch bei anderer Gelegenheit.

    (Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 2003–2013)
     

  • »Moby Dick« auf dem Kindle

    (Ein Erlebnisbericht von Konrad Linke,
    noch als kleiner Nachtrag zur
    Friedrich-Forssman-Debatte neulich.)

    Weihnachten 2011 wünschte ich mir also ein Kindle. Meine Mutter schenkte es mir gern: ein Stück Technologie, das offensichtlich der sinnvollen Beschäftigung diente. Gemäß meinem Wunsch »a regular Kindle for a regular guy« bekam ich die Standardvariante, Schwarzweißbildschirm, ohne Touchscreen. Mein Plan war, zunächst einige Klassiker der Weltliteratur zu lesen, die es angeblich kostenlos zum Download gab.

    Da ich damals zu Hause kein Internet hatte, gerieten aber das Kindle und der damit verknüpfte Plan schnell aus meinem Blickfeld. Zum Glück ging irgendwann meine Waschmaschine kaputt. Der örtliche Waschsalon – »Steffen´s Waschsalon« – verfügt über ein freies WLAN und da erinnerte ich mich auch wieder an mein Kindle. Etwa ein Jahr, nachdem ich das Gerät erhalten hatte (meine Waschmaschine ging erst Ende 2012 kaputt), war ich endlich damit online.

    Als erstes Buch lud ich mir »Moby Dick: or, the White Whale« von Herman Melville herunter. Es war tatsächlich kostenfrei, allerdings war es natürlich keine kritische Edition, sondern die Sparvariante aus irgendeinem E-Text-Korpus. Ein Inhaltsverzeichnis gab es nicht, die Anmerkungen des Autors hingegen hatte man mitdigitalisiert.

    Statt Seitenzahlen befand sich am unteren Ende des Displays eine Prozentleiste, nach rund zehnmal umblättern ging es einen Prozentpunkt weiter. Nach einer Woche war ich bei Kapitel 4 bzw. zwei Prozent angelangt.

    Die ersten Kapitel waren unterhaltsam, und zudem lernte ich ein paar neue Wörter, wie ›vertebra‹ (›Wirbel‹) und ›descry‹ (›erspähen‹, üblicherweise in der Kollokation »a ship was descried«). Außerdem gefiel mir die Möglichkeit, Textpassagen zu markieren und abzuspeichern. Die Textpassagen haben dann sogar eine Seitenangabe, zum Beispiel:

    Like a nob of young collegians, they are full of fight, fun, and wickedness, tumbling round the world at such a reckless, rollicking rate, that no prudent underwriter would insure them anymore than he would a riotous lad at Yale or Harward. Seite 372 | Pos. 5706-8.

    Oder:

    And thus there seems a reason in all things, even in law. Seite 392 | Pos. 6009-12.

    Oder:

    Would that I could keep squeezing that sperm for ever! Seite 393 | Pos. 6015-16.

    Derartig geistreiche Passagen sind natürlich schön, sonst jedoch passierte im Buch nicht viel. Bei 60 Prozent verließ mich die Motivation. Was auch daran lag, dass ich mich damals nicht mehr regelmäßig über die neuesten Marotten des Käpt’n Ahab austauschen konnte, wie ich das sonst mit einer Mitdoktorandin während der Mittagspause immer getan hatte. Da sie aber kurz vor der Abgabe ihrer Dissertation stand, musste sie ihre »Moby Dick«-Lektüre unterbrechen.

    Zum Glück lernte ich zu dieser Zeit auf der Hochzeit meines besten Freundes eine chinesische Germanistin kennen, die mir auf der Heimfahrt erzählte, dass man Zugang zu »Moby Dick« über Gilles Deleuze erhielt. Deleuze! Das weckte mein Interesse. Kurz nach unserem Gespräch schickte sie mir »Sacher-Masoch und der Masochismus« und später dann sogar auch noch den Text, den sie eigentlich gemeint hatte.

    Das half. Der Deleuze-Schwung trug mich etwa 30 Prozent weiter bei meiner Lektüre des »Moby Dick«, bis ich bei 90 Prozent erneut feststeckte. Wiederum war nicht viel passiert, die Pequod schipperte noch immer im Pazifik, vom Weißen Wal fehlte jede Spur. Doch eines Nachts wachte ich gegen 2 Uhr auf, nahm das Kindle zur Hand und las weiter. Bei 92 Prozent kam ein Kapitel namens »The Chase – First Day«. Wenn das nicht der Anfang eines epischen Endes war, was dann?

    Und tatsächlich! Bei 97 Prozent wurde Ahab – Achtung, Spoiler! – von Moby Dick in die Tiefe gerissen.

    Was für ein Ende! Ja, die Lektüre war teils ein zähes Ringen um Prozentpunkte, aber die letzten Seiten rissen alles wieder raus. Rasch blätterte ich mich durch die verbliebenen 3 Prozent – ein ausführliches Etymologie-Kapitel, in dem Wal-Referenzen in der Weltliteratur ausgelistet standen (Plutarch, Rabelais, Shakespeare etc.). Als ich die letzte Seite erreicht hatte (99 Prozent) und umblätterte, las ich jedoch Folgendes:

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    Kunden, die dieses Buch gekauft haben, kauften auch
    – David Copperfield (Illustrated) von Charles Dickens
    […]

    Das nur mal zur etwas, äh, problematischen Aura des Literaturwerks im Zeitalter seiner technischen E-Book-barkeit. Ohne, dass ich jetzt gleich mit Friedrich Forssman komme: »Zur Ästhetik des E-Books kann ich gar nichts schreiben, denn es gibt sie nicht.«
     

  • Vossianische Antonomasie (Teil 36)

    (Gregor Keuschnig liest Fritz J. Raddatz)

     

    1. ein Majakowski der Primanerzeitungslyrik
    2. die Ilse Ritter der DDR
    3. eine Soraya der 90er Jahre
    4. Nurejew der Literatur
    5. die Madeleine Renaud des Ostens

    alles gefunden in:
    Fritz J. Raddatz: Tagebücher 1982–2001
    (Danke, Gregor!)

     

  • Lass uns wandern, lass uns schiffen!

     

    Liebe Umblätterer,

    warum nehmt Ihr euch nicht einmal Friederike Kempners, der »schlesischen Nachtigall«, an, deretwegen Alfred Kerr seinen Geburtsnamen Kempner änderte, weil sie »die schlechtesten je auf diesem Planeten bekanntgewordenen Verse« geschrieben habe (Wikipedia)?

        Während dort der Wolkensturm
        Über Meer und Länder fährt,
        Pickt ganz leis der Totenwurm –
        Wer ihn wohl das Picken lehrt?

    Viele Grüße aus München
    Euer Claudio

     

  • Schiffsmeldungen

    (Gastbeitrag von cehaem)

    Lange Zeit dachte man ja, die Zeitung sei dazu erfunden worden, Dinge aufzuschreiben, die irgendwo in der Welt vorgefallen sind. Mittlerweile wissen wir, dass es auch darum geht, über sich selbst zu berichten.

    Ein (letztens beim Aufräumen wiederentdecktes) Schmuckstück in dieser Hinsicht ist die »Chronik 2011« der F.A.Z. vom 24. Dezember 2011, die das Jahr anhand ausgewählter Seite-eins-Abbildungen nacherzählt. Der Eintrag zum bzw. das Titelbild vom 9. Juni (in der »Chronik« auf Seite J8) zeigt, wie Angela Merkel der US-Außenmini­sterin Hillary Clinton eine eingerahmte Titelseite der F.A.Z. vom 15. April als Geschenk überreicht. Diese hatte mit einem Bild der zufällig synchron gespreizten Hände der beiden Politikerinnen aufgemacht, das bei Clintons Berlin-Besuch entstanden war.

    Anders gesagt: Die F.A.Z. erinnerte am 24. Dezember daran, dass die F.A.Z. am 9. Juni darüber berichtet hatte, dass Frau Merkel am 8. Juni Frau Clinton gezeigt hatte, dass die F.A.Z. am 15. April darüber berichtet hatte, dass Frau Merkel und Frau Clinton am 14. April ihre Hände irgendwie merkelsch gehalten hatten.

    Die Clinton-Merkel-Story scheint erst mal an ihr Ende gekommen zu sein. Am vorletzten Mittwoch, 4. April 2012, war auf Seite eins der F.A.Z. nun immerhin dies zu sehen: Schiffe. Genauer gesagt, drei Schiffsmodelle. Sie stammen aus dem Bestand eines gewissen »Berliner Sammlers Günter Bannas«, der sich mit einem gewissen »einfachen Abgeordneten Peer Steinbrück« getroffen hatte, um ausgiebig über Modellbau und Schifffahrt zu fachsimpeln, wie in derselben Ausgabe auf Seite neun in absolut fabelhafter Anlass­losigkeit nachzulesen ist.

    Dass der Hauptstadtbüroleiter der F.A.Z. eine Leidenschaft für Schiffsmodelle besitzt, ebenso wie Herr Steinbrück – ein wunderbares Zusammentreffen, und vielleicht der Beginn einer neuen F.A.Z.-Telenovela? Denn Angelas Hände sind Peers Schiffe, und sollte letzterer erstere tatsächlich im Kanzleramt beerben, ahnen wir schon, mit welcher Ikonografie die Frankfurter Titelredaktion ihn von nun an regelmäßig bedenken wird. Wie auch anders: Das Schachbrett haben sich schließlich schon die Kollegen von der »Zeit« gesichert.
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 65)

    (eine E-Mail von E. Zentner)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Die Bäckerei Süß, mit einem ultrafurchtbaren Foto, wie in dieser Reihe üblich :-)

    Berlin
    Die »Bäckerei Süß« in der Boxhagener Straße.

    (Frank, ich habe soeben eine Idee bekommen. Da ihr regelmäßig das Kaffeehaus des Monats kürt, kann ich, wenn du möchtest, über die Bäckerei Süß am Ostkreuz einen Beitrag liefern. Ich habe dort mittlerweile viel Zeit verbracht und das ein oder andere gesehen. Dort verkehrt zum Beispiel dieser eine Darsteller aus »Gegen die Wand«, der sich damals so stark in seine Rolle hineingearbeitet hat, dass er sie im richtigen Leben einfach weiterzuspielen scheint. Man begegnet aber noch einem anderen Unikum, das stark an Mel Gibson in »Fletcher’s Visionen« erinnert. Genau wie Fletcher ist er ein Verschwörungstheoretiker, der immerfort laut seine neuesten Thesen verkündet. Ein weiterer Bäckereibesucher erinnert aufgrund seiner sich steigernden Ausdürrung an Kafkas »Hunger­künstler«. Allerdings übt er eine andere Kunst aus, nämlich am Ostkreuz nicht mehr genutzte Fahrkarten zu sammeln und sie weiterzuverkaufen. Schließlich ist auch eine Art Nachhilfelehrer ein ständiger Gast, der seinen Schülern, die immer andere sind, den Weg in das Fach der Wirtschafts­mathematik ebnen möchte. Alle von ihnen stellen Künstler der besonderen Art dar, und sie alle sind in dieser Bäckerei zu Hause. Also, falls ich darüber mal was schreiben soll, sag mir einfach Bescheid.)
     

  • Gestern auf der re:publica

    (Eine Mail von Aléa Torik.)

    Liebe Umblätterer, lieber Paco

    ich war gestern auf der re:publica. Während des Vortrags von Jeff Jarvis habe ich jemandes Display betrachten können, der genau vor mir saß. Ich weiß nicht, für wen der geschrieben hat, für welches Blog oder welche Zeitung, aber da stand als Einleitung der Satz: »Jeff Jarvis ist die Barbara Schöneberger der Internetgemeinde.« Da habe ich natürlich an eure Vossianischen Antonomasien gedacht.

    Ich weiß nicht, ob ihr etwas damit anfangen könnt, oder ob ihr immer die Quelle angeben wollt. Die kann ich euch nicht namentlich nennen. Die Quelle war jedenfalls etwas wohlbeleibt und saß mir daher immer im Weg, weil Jeff Jarvis eben auch sehr dünn ist, und hat in ein PowerBook geschrieben, und zwar richtig darauf eingehämmert.

    Herzlich
    Aléa Torik

  • Lars-Oliver Frökel: Von einem Bett zum andern

    Unsere Popmoderne (Cover)Der 2005 erschienene Band »Unsere Popmoder­ne« von Marc Degens präsentiert 28 Auszüge aus fiktiven Werken der Gegenwartsliteratur mit kurzen Erläuterungen zu Autor und Wirkungsge­schichte. Unser Lieblingstext ist das hier folgende erotische Käsegedicht eines übereifrigen Ex-Thomaners.

    Eine erweiterte Neuausgabe des Buches ist für 2010 im Verbrecher Verlag geplant.

    *

                            Die Stühle
                            bilden
                            ein Quadrat
    
    Ein kleiner, runder Beistelltisch
                   steht im Schnittpunkt der Diagonalen
    
        Die Hände der Frauen
        sind mit Elektrokabeln
        hinter den Lehnen
        zusammengezurrt
    
            ihre Füße
            mit Stricken
            an die vorderen
            Stuhlbeine gefesselt
    
        Auf leisen Sohlen 
    schleiche ich
            durch die Waschküche
        trete zum Tisch
                    in die Mitte
            des Frauenquartetts
    und lasse meinen Blick schweifen
    
    Die Frauen atmen flach und erwartungsvoll
        vielleicht gar erregt
    
    Ihre Gesichter sind mir zugewandt
                                    ihre Augen
                                    mit Seidentüchern
                                    verbunden
    
    Ich genieße das Stilleben
        die reglosen Körper
    im Geist rufe ich ihre Vornamen
    
            Auf der Tischplatte liegt
            eine gelbe, bleiche, viereckige
        Käsescheibe
                nackt
    von keiner Hülle geschützt.
    
    Ich nehme sie in meine Hand
        und prüfe
        mit den Fingerkuppen
            ihre Beschaffenheit
    
            Das Käsestück fühlt sich künstlich an
            unecht
            wie ein Streifen Kautschuk
    
    oder ein zu weiches Radiergummi
    
        Ich habe meine Wahl rasch getroffen
        und trete zu der Frau im langen, schwarzen Kleid
    deren Mund
    
                                        ein Stück weit
    geöffnet ist
            so daß ich ihre obere Zahnreihe sehen kann
    
        In aller Ruhe pirsche ich um den Stuhl
                                                beäuge sie
    von allen Seiten
                        in immer engeren Kreisen
    
    Sie spürt meine Anwesenheit
    merklich von Minute zu Minute beben ihre Brüste heftiger
    
                                        ihr Atem wird gepreßter
                                        sie schluckt arg
                                        und aufgebracht
    
            Ich stelle mich vor sie
    
                    schiebe mit den Fingerspitzen
                die schulterlangen, kupferbraunen Haarsträhnen
            aus ihrem Gesicht
    
            und entblöße die sonnverbrannt fleckigen
    
    Wangen
    
    Hernach rolle ich die Käsescheibe zusammen
                    der Silberring an ihrem Ohrläppchen zittert
    
        ihr Atem stockt
        und scheint für einen Moment sogar zu versiegen
    
    Mit der Spitze des Käsestücks streichele ich sanft
    
                                        beinahe 
                                            ohne Berührung
                        ihre Stirn
    
    Vorsichtig tupfe ich ihre Haut
            wandere an ihr hinab
        bemale episodisch den Nacken
                das Kinn
                    ihre Wangen
    
        Sie erschaudert bei jeder Berührung
                    zittert
    zuckt und meidet die Treffen
    
                        Bestimmter herze ich nunmehr ihre Haut
                        der Käse gleitet
                        langsam
                        über jede Pore
                wird stetig schlaffer
    und sämiger
    
                            Ihre Wehr erstirbt
    schlagartig
                                unterbreche ich
        die Verbindung
                                                    isoliere sie
    entrückt harrt ihr Kopf in stummer Erwartung
    
        um sich endlich
                            als ich sie wieder berühre
                                wie selbsttätig
                            und mit aller Kraft
    
        in mein Gekose zu stemmen
    
    Ich wische ihr Fleisch
    
                            Der Käse klebt und seift
                            hinterläßt eine molkige Spur
                            nicht Butter, nicht Wachs
    
        Entschlossen umkreise ich nunmehr ihre Lippen
    
                begierig öffnet sich der Mund
            die Zunge schnellt hervor
                            und sucht das Labnis
    
        Ich locke sie
            spiele mit ihr
    
                    kurz küßt der Köder die Glut
    
            entflammt einen Vorgeschmack
        sie schwärmt
    und erlebt in Gedanken bereits die Erfüllung
    
                            Krankhaft buhlt sie um das Geschenk
    
    schmust nach Genuß
                    flau und vergebens
    
        Ich rolle die Käsescheibe auseinander
    
                                    presse sie an ihre Stirn
    
    an ihr Kinn
                                    drücke sie fest
                                    auf ihre linke
                                    und rechte Wange
    
    Schlußendlich verhülle ich ihre Lippen
    
        Ihr Mund springt auf
        klafft auseinander
                die Zunge trachtet nach dem Schlemmen
    
    sie schlingt
    
        hungrig, gierig und geizig
    
            der Käse verschwindet im Krater

    *

    Das erotische Traumtagebuch Von einem Bett zum andern des 19 Jahre alten Leipziger Gymnasiasten Lars-Oliver Frökel verkaufte sich in den ersten vier Monaten nach Erscheinen bislang über zehntausendmal und gilt als die literarische Entdeckung der diesjährigen Frühjahrsbuchsaison. Die Frauenzeitschrift Mademoiselle wählte Lars-Oliver Frökel kürzlich zum »hübschesten Schriftsteller Deutschlands«, und ab November wird der ehemalige Thomaner-Chorknabe die Lifestyle-Sendung Glam des Kölner Musiksenders Viva moderieren. Zehn der achtundzwanzig Traumaufzeichnungen aus Von einem Bett zum andern werden derzeit für die ARD verfilmt, Regisseure der TV-Folgen sind unter anderem Detlef Buck und Sönke Wortmann.

    Lars-Oliver Frökel: Von einem Bett zum andern
     

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 44)

    (Gastbeitrag von Benjamin Stein)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Jazzbar Vogler, München

    München
    Das Vogler in der Rumfordstraße 17.

    (Kein Café-Haus, sondern eine Jazz-Bar. Umblättern kann man
    dort dennoch in Seelenruhe, und zwar 1 Stunde lang von der
    Lokalöffnung um 19:30 Uhr bis 20:30 Uhr, wenn der Live-Jazz
    beginnt. – Unbedingt den Mail-Rundbrief des Inhabers Thomas
    Vogler abonnieren, den er regelmäßig verschickt, um Freunde
    des Lokals über das Programm und die unerhörten Ereignisse
    zu unterrichten, die sich im Voglers gelegentlich zutragen.)

  • Kaffeehaus des Monats (Teil 26)

    (Gastbeitrag von Benjamin Stein)

    Wenn du mal richtig Zeitung lesen willst:

    Café Bracha, München

    München
    Das Café Bracha in der Klenzestraße.

    (Das einzige koschere Café in der Stadt (milchig). Unsere
    Kinder schätzen dort besonders die heiße Schokolade und
    die ausliegenden Comic-Hefte. Ich selbst komme dort eher
    nicht zum Lesen, weil ich bei jedem Besuch unweigerlich
    Bekannte treffe und in Gespräche verwickelt werde.)