Autor: Dique

  • Evening Standard heute

    Brian Sewell’s Ausstellungsrezension im ES heute ueber Dali (Ausstellung in der Tate Modern zu Dali’s Flirt mit dem Film). Er ist voll des Lobes fuer die Ausstellung, kommt ja selten genug vor, meint aber, dass das Thema nun abgehakt sei (nicht Dali, aber Dali und Film) und dies nun niemals wieder jemand machen muss. Guter Hinweis.

    Aber viel besser auf Seite 18–19 »I never felt more alive than as a mercenary in Baghdad«. Es geht um Simon Low, ehemaliger britischer Soldat, Ex-Fremdenlegionaer. »To have finished my military career and have Iraq come along like that – wow! – it was a dream.«

    Natuerlich nimmt die Geschichte ihre gute Wendung, zumindest fuer Low. Er begreift irgendwann, dass es doch alles kein Zuckerschlecken ist im Zweistromland und »Low’s perception of the place as an adventure playground shifted dramatically«. Bis dahin gibt es ein paar martialische Einlagen, O-Toene aus Lows gerade erschienenem Buch, deshalb auch der Artikel, klar.

    Wirklich gefaellig an diesem Artikel ist aber dieses riesige, ausgeschnittene und wieder eingesetzte Bild von Low im Vordergrund. In seinem Khaki Safari Look sieht er aus wie Sunny Boy in Kenia. In der Hand haengt laessig eine AK-47, und auf dem grieseligen Papier sieht die kugelsichere Weste ueber dem hellblauen Hemd aus wie ein Pullunder, und sein Gesicht grinst spitzbuebisch. Mein Zeitungsmann traegt auch immer Pullunder.

  • Morgenlandfahrer

    Meine Lieblingsrandglosse »Neulich in meinem Cafe« war leider in den letzten paar FAS Ausgaben nicht so besonders, und der Spiegel ist immer noch oede, schon seit einiger Zeit, das kann doch nicht nur an mir selbst liegen? Im aktuellen ist der Kunstverschiebungsartikel sehr edel, zumindest dieser Kunstsammlerfreak Walter aus dem Saechsischen, schoenes Bild, wie er da in seinem »Museum fuer Morgenlandfahrer« – Museum fuer Morgenlandfahrer, was fuer ein Name, Der Umblaetterer, die offizielle Website fuer Morgenlandfahrer, hehe.

  • Nominierung eines Artikels

    Ich moechte hiermit den Peter Richter Artikel aus der FAS 20/2007 vom 20. Mai nominieren, Seite 33, »Alles, was Quark ist«.

    Der Artikel ist schoen spritzig geschrieben und deckt sehr gut das Megakunstjahr 2007 mit seinen Documentas, Skulpturenschauen, Biennale etc. perfekt ab.

    »Die Schlangen vor den Ausstellungshallen sind also gewissermassen die Verdi Demonstrationen der Mittelschicht.« ist z. B. ein schoener Satz.

    Ich habe den Artikel online nicht wieder finden koennen und weise aus diesem Anlass zusaetzlich noch mal auf die unbedingte Ablehnung der F-Zeitung wegen der Benennung der URLs hin.

  • The Best Newsagent

    In den Zeitungslaeden deutscher Grossstadt-Bahnhoefe gibt es den »Spiegel« am Sonntagabend offiziell ab 20 Uhr zu kaufen. Obwohl der Spiegel dort schon deutlich frueher eintrifft, wird er keine Sekunde frueher verkauft. Um 19.45 stand ich auf dem Leipziger Hauptbahnhof und fragte nach dem Spiegel. Ich sah den Stapel der Magazine schon hinter der Verkaeuferin auf dem Regal liegen, wurde aber darauf hingewiesen, dass das aktuelle Heft erst in 15 Minuten zu haben sei. Meine Fresse. Ich habe nicht gewartet und ich habe auch nicht gebettelt. 15 Minuten!

    Ich habe darueber viel nachgedacht, tue das noch heute. Die haben vernetzte Kassen, denke ich mir. Klar, und wenn die Verkaeuferin das Magazin ueber die Scannerkasse zieht, dann geht es ins Kassensystem, und man kann vielleicht tatsaechlich herausfinden, dass irgendwo, in diesem Fall in Leipzig, eine Zeitungsverkaeuferin einen »Spiegel« 15 Minuten zu frueh verkaufte. Diese Meldung geht sofort nach Hamburg in die »Spiegel«-Zentrale.

    Was passiert dann? Am Sonntagabend wohl noch nichts, aber spaetestens am Montagmorgen in der Redaktionssitzung im »Spiegel«-Verlag in Hamburg bringt ein Praktikant dem Herrn Aust verschiedentliche Dokumente. Darunter befinden sich auch die Verkaufslisten der Bahnhofszeitungslaeden. Diese geht Aust dann persoenlich durch, er nennt die Gesamtsumme der illegalen Vorverkaeufe und geht dann jeden einzelnen Posten durch: »Leipzig, 19.45 Uhr, ein Exemplar.« Der Rest ist Standardprozedere, der Filialleiter von »Presse und Buch« erhaelt die Entlassungsurkunde von der »Spiegel«-Redaktion als Vordruck gemailt und braucht sie nur noch zu unterschreiben.

    Laut Countdown auf der »Monocle«-Website sollte die erste Ausgabe des Blattes ab 9 Uhr morgens in den Zeitungslaeden in London erhaeltlich sein. Ich war am 15. Februar 2007 bereits um 8 Uhr morgens bei meinem Zeitungsmann und fragte nach »this new magazin called Monocle that is supposed to be coming out today«. Ohne ein Wort drehte er sich um und ging langsam nach hinten in den kleinen Lagerraum. Ueber seine Schulter sah ich auf dem Regal schon einen Stapel Monocles liegen, und er kommt strahlend zurueck, haelt mir das Heft mit beiden Haenden hin und sagt: »The best newsagent, hehh!?«

  • Sarkozy

    Es war in der französischen Wahlnacht. Die französische Wahlnacht, so könnte man eine Operette nennen. Ich war auf dem Weg zur South Kensington Station und mir kommen ein paar Franzosen entgegen, überwiegend schöne junge Frauen, und sie rufen mir zu: »Sarkozy«, mit diesem französischen Akzent, unmöglich aufschreibbar, »Sarkozy«.

    Ich kam gerade aus dem Builders Arms. Ich hatte dort eines dieser wunderbar zarten Steaks gegessen, mit normalen Frites, nicht den üblichen Chunky Chips, also Steak et Frites, unbewusst französisch, sort of. Sicher kamen die Franzosen aus dem Institut français, denn wie das Goethe-Institut ist das in South Kensington.

    »Sarkozy«, heißt es immer wieder, und dann nimmt mich eine bei der Hand. »Good luck« oder irgend so was sage ich, »good luck«, na ja, was soll man da auch sagen. Ich war etwas überrascht, freute mich noch über den Geschmack dieses Steaks, und dann diese feiernden Franzosen, junge Leute, huldigen dem konservativen Kärchermeister, und ich frage mich, was ich gemacht hätte, wenn das Deutsche gewesen wären, die den Wahlsieg von Angela Merkel gefeiert hätten. Nicht, dass ich Angela Merkel schlecht finde. Aber sie hat ja auch irgendwie keinen Sarkozy-Sieg errungen, »Sarkozy«.

  • Gegen den Strich

    Letzten Samstag, am 12. Mai, jährte sich der Todestag von Joris Karl Huysmans zum 100sten Mal. Solche Daten habe ich nicht im Kopf, natürlich. Ich las einen dilettantischen Artikel eines katholischen Priesters in einem Blatt, welches ich hier nicht nennen möchte, darüber. Gegen den Strich, Huysmans, 100 Jahre, that makes you think.

  • They have changed the date

    Der Spiegel kommt hier seit Wochen verspaetet, haben die, have they, wie mein Zeitungsmann sagt, das Datum geaendert, they have changed the date, sagt er immer, mhh, was soll der Quatsch, wer ist »they«, Aust, die Post, Yassin Musharbash, Air Berlin – wenn das Ding in Deutschland ab spaetestens 8 p.m. am Kioskl ist, dann kann ich es doch am naechsten Tag am Kioskl in London erwarten, aber was will man machen, they have changed the date, I hate them!