Autor: Dique

  • Pocahontas was her name

    Gestern in Gravesend, Kent. Und im Zug geht es mir durch den Kopf:

    On Gravesend’s shores lie the bones of an Indian squaw …

    Das ist der Anfang eines Stücks von Thee Headcoats, einer Band von Billy Childish, welches ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gehört habe. »Pokerhuntus was her name« heißt der Song, und, wie man sich denken kann, geht es um Pocahontas.

    In 1595 at the dawn of the white invasion
    That girl child was born in the heart of the Powhatan nation
    Pokerhuntus was her name, daughter of the Chief Powhatan

    Ihre Gebeine liegen nicht mehr in Gravesend, denn bei einem Kirchenumbau wurde das Grab des Mädchens, welches zum Zeitpunkt ihres Todes Rebecca Rolfe hieß, zerstört.

    Auf der Website der Powhatan-Indianer schreibt Chief Roy Crazy Horse, dass sie eigentlich Matoaka hieß, Pocahontas war nur ein Spitzname. Sein kurzer Text über die berühmteste Tochter der Powhatans ist eine Reaktion auf den verklärenden Disneyfilm, der ihren Namen trägt. Ich habe ihn nicht gesehen.

    Aber ich habe »The New World« von Terrence Malick gesehen, und ich frage mich, ob Crazy Horse darüber ein milderes Urteil fällen würde.

    Nun stehe ich vor der Pocahontas-Statue in Gravesend, und wie ich lese, ist das eine Kopie des Originals von William Partridge, welches seit 1922 in Jamestown, Virginia, steht. Ich habe immer noch keinen iPod, erinnere mich aber an einige weitere Zeilen.

    In the contract of peace a marriage was agreed
    She sailed with her husband from the bay of Chesapeake
    And with tears in her eyes she couldn’t bring herself to speak

    Pocahontas starb 1617 in Gravesend, kurz nach dem Aufbruch zu ihrer Rückreise nach Virginia. Im gleichen Jahr steckte ein anderes Mädchen Tangermünde in Brand, schreibt jedenfalls Fontane in seiner Novelle »Grete Minde«. Usw.

  • Der letzte »Economist«

    Den »Economist« kaufe ich nur noch bei besonderen Gelegenheiten. Ich suche ihn auf wie einen weisen Freund, den man viel zu selten sieht und an den man sich wendet, wenn man von keinem anderen mehr erwartet, brennende Fragen beantwortet zu kommen. Das ist ein bisschen wie in dem besten und wohl einzigen sinnvollen filmischen Beitrag zur Artus-Sage, »Excalibur« von John Boorman.

    Am Ende des Films vereinen sich die Ritter der Tafelrunde zur letzten Schlacht gegen Mordred, den bösen Sohn von Artus und dessen nicht minder bösartigen Halbschwester Morgana. Am Vorabend der Schlacht steigt Artus auf einen Hügel mit Monolithen und spricht zum verschwundenen Merlin (Morgana hatte ihn zuvor mit seinem eigenen Zauberspruch verhext), um den er sich seit Jahren nicht gekümmert hat. Er kehrt zurück und erhofft sich Beistand.

    Nichts anderes erwarte ich vom »Economist« nach dem Massaker an den Finanzmärkten in der letzten Woche. »The Economist« erscheint am Freitag, und ich ging heute (Samstag) morgen bei meinem Newsagent vorbei. Normalerweise gibt es die gerade aktuelle Ausgabe die ganze Woche lang bis Donnerstag, bevor dann am Freitag die neue in die Geschäfte gelegt wird.

    Ich stand nun vor dem Regal mit den News-Magazinen und konnte ihn einfach nicht finden. Dabei hatte ich das Cover-Bild genau im Kopf, nachdem ich schon im Netz das Inhaltsverzeichnis abgescannt hatte: ein reißender Strudel, in dem die Logos großer Finanzwerte hinabgerissen werden.

    Vielleicht lag er an der Kasse. Fehlanzeige. »I don’t seem to find The Economist«, sagte ich dann zu meinem Newsagent, welcher mich schelmisch angrinste. »I have only one copy left«, sagte er und holte unter einem kleinen versteckten Papierstapel noch ein Exemplar hervor. »The best newsagent, hehh?«

    Jedenfalls bin ich also nicht der einzige Leser, der sich, wenn die Kanonen donnern, auf die sachlichen Lageberichte dieses Blattes besinnt.

    War bis eben aber noch gar nicht zum Heft gekommen, denn im FT Weekend Magazine gibt es eine Warren-Buffett-Biografie, »A billionaire in the making«, und die las sich ganz prima zum Kaffee.

    Aber nun endlich zum »Economist«, direkt in den Leader auf Seite 13, bei dem ich mich besonders über diesen humorvollen Satz freue:

    »Some will argue that the Federal Reserve and the Treasury, nationalising the economy faster than you can say Hugo Chávez, …«

  • In Brügge

    »In Bruges« ist der beste Film des Jahres und auch des letzten und bestimmt auch des nächsten. Nun bin ich selbst in Brügge, und normalerweise wäre hier alles ganz Memling und van Eyck, doch jetzt ist hier alles »In Bruges«. So richtig Memling wird es erst wieder im Memling-Museum, ist ja nicht verwunderlich. Dort, im alten Johannishospital, steht neben einer guten Handvoll anderer Memlingwerke auch der wunderbare von ihm selbst bemalte Ursula-Schrein, welcher zu besonderen Anlässen und immer am Tag der Heiligen bei Prozessionen herumgetragen wurde.

    Doch bevor ich dort sein werde, gehe ich erst mal ein bisschen durch die Stadt. Wenn ich einen iPod besitzen würde, dann würde ich jetzt das Klischee komplettieren und den fabelhaften Soundtrack von Carter Burwell auflegen. Ich habe aber gar keinen iPod.

    Trotzdem geht mir das Hauptthema des Scores durch den Kopf, als ich dann vorm Belfried stehe. Es ist neun Uhr morgens, ich bin fast allein, und ich suche, wohl wissend, dass es nur ein Film war, auf dem Kopfsteinpflaster nach Blutflecken und denke an den beängstigenden deutschen Titel: »Brügge sehen … und sterben?«

    Sünde und Sühne. Der entscheidende Mord vor der Verbannung der Hitmen geschieht bei der Beichte, das Opfer ist der Pfarrer selbst (ein Kurzauftritt als Opfer hat hier Ciarán Hinds, dem die Menschheit noch eine Menge Preise und Huldigungen für seine Meisterleistung als Caesar im HBO-»Rome« schuldet!). Aber neben dem Pfarrer trifft es ein zweites Opfer, einen kleinen Jungen, und was ist das für eine herzzerreißende Szene, als Ray den blutigen Zettel aufhebt, auf dem der Junge seine zu beichtenden Sünden notiert hat:

    1. Being moody
    2. Being bad at maths
    3. Being sad

    Gleich im Anschluss sieht man Ken und Ray durch das Groeninge Museum spazieren. Ray steht vor dem Gemälde von Gerard David, »König Kambyses und der Richter Sisamnes«, und da stehe ich auch gerade. Wegen Bestechlichkeit wird dem Richter Sisamnes die Haut abgezogen. In der schauerlichen Szene hat einer der Schergen bereits das Bein von Sisamnes gehäutet. Der Audioguide erklärt mir etwas zum limitierten Anatomieverständnis der flämischen Primitiven, die Venen liegen nicht direkt unter der Haut …

    Um die Ecke des Groeninge, in der Liebfrauenkirche (Onthaalkerk Onze-Lieve-Vrouw), gibt es eine Madonna mit Kind von Michelangelo (ja, hier in Brügge!), und nach dem Diptychon von Gerard David tut der Anblick marmorner Schönheit sehr, sehr gut. Hier, in dieser Hochburg der nordischen Renaissance, wirkt diese italienische Leichtfüßigkeit besonders stark, ohne dass ich jetzt qualitative Vergleiche ziehen will. Michelangelo passt hier auch thematisch gut rein, ok, das war auch eine Generation nach Gerard David, aber er war ja einer der ersten Künstler, der Leichen sezierte, um den Körperaufbau genauer studieren zu können.

    Ken und Ray bekommen die wunderschöne Madonna nicht zu Gesicht. Sie verweilen im Groeninge vor dem »Jüngsten Gericht« von Bosch und führen diesen Dialog:

    Ken: It’s Judgment Day, you know?
    Ray: No. What’s that then?
    Ken: Well, it’s, you know, the final day on Earth, when mankind will be judged for the crimes they’ve committed and that.
    Ray: Oh. And see who gets into heaven and who gets into hell and all that.
    Ken: Yeah. And what’s the other place?
    Ray: Purgatory.
    Ken: Purgatory … what’s that?
    Ray: Purgatory’s kind of like the in-betweeny one. You weren’t really shit, but you weren’t all that great either. Like Tottenham. (Pause.) Do you believe in all that stuff, Ken?
    Ken: About Tottenham?

    Auf dem Bild tummeln sich die üblichen Bosch-Gestalten, ein Reptil mit Menschkopf und langem roten Zipfelhut schaut zu, wie eine Menschengruppe einen großen Schuh in einem schwarzen Fluss zu einem Schiff umfunktioniert; in einem Fass, umringt von nackten Gestalten, scheint jemand gegart zu werden; etc. Fast einen ganzen Film lang erlebt Ray das Jüngste Gericht am eigenen Leib. Auf einem Filmset mitten in Brügge, in feinem (Brueghel’schem?) Neuschnee wird Ray erschossen, und an ihm vorbei ziehen fratzenhafte Gesichter, mit und ohne Masken, und er entdeckt seine ganz persönliche Hölle:

    »And I thought, if I survive all of this, I’d go to that house, apologize to the mother there, and accept whatever punishment she chose for me. Prison, death, didn’t matter. Because at least in prison and at least in death, you know, I wouldn’t be in fuckin’ Bruges. But then, like a flash, it came to me. And I realized, fuck man, maybe that’s what hell is: the entire rest of eternity spent in fuckin’ Bruges.«

  • The City’s Finest FAS

    Heute in Antwerpen, und ich suche Stunden nach der FAS. Am Bahnhof gibt es keine, überhaupt scheint hier kein anständiger Zeitungsladen zu sein. Ich gehe dann Richtung Stadtmitte, zum Marktplatz, Grote Markt. Unterwegs ist auch Fehlanzeige, dabei habe ich gedacht, dass es ums Rubenshuis herum doch einen internationalen Zeitungsladen geben sollte, bei dem Andrang der hier überall herrscht.

    Also gehe ich weiter bis zur Touristeninformation am Grote Markt und frage, wo man denn hier und heute internationale Presseerzeugnisse erwerben könne. Die beiden Angestellten, ich bin der einzige Kunde, stutzen erst etwas, doch dann verweisen sie mich, wenig Hoffnung machend, an eine Straße auf der anderen Seite des Marktes, und siehe da: Dort liegt, in all her glory, die FAS.

    In der FAZ vom Freitag schrieb Hubert Spiegel in seinem Artikel »Das Buch, das aus dem Äther kam« über elektronische Lesegeräte. Im Besonderen stellte er den Kindle von Amazon vor, der um die 200 Bücher speichern kann. Und natürlich stellt sich die Frage, was das für das traditionelle gedruckte Buch bedeuten wird und vor allem, wie sich unser Leseverhalten im Angesicht der Volltextsuche verändert. Seit Jahren drücke ich beim Lesen von Büchern im Geiste Ctrl+F, weil ich einen bestimmten Abschnitt suche. Das wird nun Wirklichkeit.

    Der Aufmacher des heutigen FAS-Feuilletons ist ein indirekter Anknüpfungspunkt, denn Johanna Adorján hat die Internationale Funkausstellung in Berlin besucht, und ich zucke erst mit den Schultern. Was geht mich die Funkausstellung an, und warum verschwenden die dafür so viel Platz in dieser Rubrik. Das ist aber ein zu schnelles und vor allem falsches Urteil. Der Text ist ein hochgradiges Lesevergnügen. Johanna Adorján kokettiert mit ihrer Unwissenheit hinsichtlich des technischen Fortschritts in Sachen Heimelektronik und Haushaltsgeräte und begibt sich durch den Wirrwarr lautloser Kühlschränke und Waschmaschinen, die automatisch erkennen, welche Flecken sie zu behandeln haben und bei denen man im Menü seine Lieblingsflecken auf Hotkeys legen kann.

    Und wie der ganze Text von Spiegel endet dieser beim elektronischen Buch, hier beim E-Reader von Sony, »eine Akkuladung reicht für das Umblättern von 6800 Seiten, man kann also ›Die Wohlgesinnten‹ von Littell fünf Mal hintereinander lesen, ohne irgendeine Seite doppelt zu lesen«, heißt es im Text.

    Am Ende gibt es ein Gedicht, welches genau unseren Geschmack als Freunde der Alltagspoesie trifft. Es ist die leicht modifizierte Gebrauchsanleitung des E-Readers:

    Eine Seite, zu der ich zurückkehren wollte,
    konnte ich mit einem Zeichen versehen
    Ich drückte das Zeichen auf der ersehnten Seite
    Die Leuchtdiode leuchtete auf,
    und das Zeichen erschien in der rechten Ecke der Seite

    Weniger amüsiert bin ich über den Snack, welchen ich während meiner Lektüre einnehme. Gleich neben dem Zeitungsladen ist diese große Frituur, FRITUUR n° 1. Ich meine mal irgendwo über diesen Laden gelesen zu haben: »the city’s finest fries«. Neben einer Portion Pommes nehme ich auch noch so einen kleinen Spieß mit Hühnchenstücken dran, so eine Art Schaschlik. Ich weiß wirklich nicht mehr, warum ich dachte, dass das irgendwie kuhl wäre, das Hühnchenfleisch ist völlig überfrittiert, und die Pommes sind einfach schlecht. Und das in Belgien!

  • Der Mauerkaiser mit dem Bart

    · für Marcuccio ·

    Brian Sewell hatte das Glück, sich die Hadrian-Ausstellung »Empire and Conflict« im Reading Room des British Museum, abgesehen von den Teppichverlegern, allein anzusehen. Den ersten Absatz seines Reviews für den Evening Standard widmete er der allgemeinen Lage des ständig neue Besucherrekorde aufstellenden British Museum:

    »But when I left the domed Reading Room that is the exhibition hall inherited from the Chinese terracotta warriors, it was to descend into the mayhem maelstrom of the Great Court and have my meditative mood cut short, all reflection swept away by the heaving tide of bodies and the uproar that they make.«

    Ich musste schon durch den Malstrom des Great Court, um in die Ausstellung zu gelangen. Unter dem Kuppeldach des Reading Rooms ist es kühl und dunkel und man taucht gleich ein in die Hadrianwelt und es gibt eine Menge Hadrian zu sehen. Zuallererst diesen riesigen Schädel, den man erst kürzlich irgendwo in der Türkei ausgegraben hat. Die gesamte Statue soll um die fünf Meter hoch gewesen sein. (Vielleicht ist das der missing link zur vierzehigen Monumentalstatue aus »Lost«?)

    Aber zweieinhalb Stunden später dann eben wieder in diesen Malstrom, und die Stimmung ist einfach im Eimer, da muss man Sewell einfach Recht geben. Wie in jeder Ausstellung in Großbritannien endet man direkt im Shop, nicht daneben, nicht gegenüber. Man spaziert direkt auf eine lebensgroße Antinous-Statue zu, eine Replik vom Original in der Ausstellung, und man kann sie kaufen, für 15.000 GBP in Resin und für nur 10.000 GBP in Gips.

    Aber bleiben wir lieber in der Ausstellung. Der architektur­begeisterte Hadrian ließ ja das Pantheon bauen, also neu bauen, nachdem der durch Marcus Agrippa errichtete Vorgängerbau um das Jahr 80 herum abgebrannt war. Freundlicherweise ließ Hadrian aber den prominenten Spruch, der auf den ursprünglichen Baumeister verweist, über dem Eingangsportal stehen:

    M AGRIPPA L F COS TERTIVM FECIT

    In der Ausstellung kann man die kleine Anekdote über den Hobbyarchitekten und Kuppelfreund Hadrian hören, der, bevor er Trajan als Imperator nachfolgte, dem Architekten Apollodorus einen Designverbesserungsvorschlag machte, welchen dieser mit der Bemerkung ablehnte, dass er sich besser trolle und »seine Kürbisse« male. Das Pantheon ein großer Kürbis.

    Es gibt ein beeindruckendes Modell des Pantheon zu sehen (das kann man leider nicht im Museumsshop erwerben), und das steht natürlich genau unter der Kuppel des Reading Rooms, in dem die Ausstellung stattfindet. Und diese Kuppel ist ja, wie jede große Kuppel nach dem Pantheon, der Mutter aller Kuppelbauten, an eben dieses angelehnt.

    Gleich daneben gibt es dann ein paar Fotos von anderen wichtigen Kuppeln zu sehen. Es ist nur eine kleine Auswahl, die Hagia Sophia und die Süleymaniye-Moschee, beide in Konstantinopel, Brunelleschis Duomo in Florenz, die Kuppel des Reading Rooms, unter welcher wir uns gerade befinden, und noch eine: die nie gebaute Kuppel für die »Halle des Volkes« für Hitlers Traumwelthauptstadt Germania.

    In den Rezensionen zur Ausstellung wird Hadrian mehrheitlich als moderner Kaiser gefeiert und aktuelle Parallelen werden gezogen. Weil er sich nach seiner Machtübernahme sogleich aus dem heiß umkämpften Mesopotamien zurückzog und überhaupt wegen allgemeiner Friedensbemühungen, und das kommt natürlich immer gut, und vielleicht stand das so in dieser Richtung in den PR-Unterlagen der Veranstalter. Erfrischenderweise sieht Brian Sewells Beitrag das anders:

    »These parallels may seem significant to the naïve, but they are irrelevant – Hadrian was wholly a man of his time, not ours, and any dictator we might set up as an example from our day, Hitler, Stalin, Ceausescu and the tyrants of the Middle East, is a transitory ninepin in comparison, for what Hadrian achieved politically in the two decades of his rule had lasting influence – for two centuries and more, and his architectural legacy has lived on for almost two millennia«.

    Von den zahlreichen weiteren Objekten der Ausstellung beeindrucken zwei Pfauen aus Bronzeguss, welche normalerweise in den Vatikanischen Museen in Rom zu bewundern sind. Sie wurden im Castel Sant’Angelo gefunden, der Engelsburg, auf der neulich, in unserer kleinen Geschichte über den Sacco di Roma, Benvenuto Cellini Kanonen auf das spanisch-deutsche Söldnerheer abfeuerte und die ursprünglich Hadrians Mausoleum war.

    Ebenfalls von ausgezeichneter Qualität ist die Büste des jungen Marcus Aurelius. Es gibt überhaupt sehr viele Büsten zu sehen. Sie sind sehr schön über die Ausstellung verteilt, mal einzeln, mal im Cluster. Gleich zu Anfang zum Beispiel gibt es eine Büstengruppe von Hadrians engstem Familienkreis, später dann, natürlich unter der Kuppel, starrt Agrippa allein von einer Säule.

    Ach so, ja, eh ich das vergesse, Hadrian hatte einen Jüngling zum Geliebten, mit dem er gern Löwen jagte und der dann irgendwann im Nil unter leicht verschwommenen Umständen ertrank, und er trug Vollbart, Hadrian, nicht Antinous, unter römischen Kaisern eher unüblich, aber das hatte vielleicht mit seiner Liebe zu allem Griechischen zu tun, einige seiner Untertanen nannten ihn deshalb sogar ›Greekling‹.

    In Großbritannien ist Hadrian besonders beliebt wegen seiner die Insel in der oberen Hälfte teilenden Mauer, damals erbaut zum Schutz gegen die nördlichen Inselbewohner, also eine Art antischottischer Schutzwall. Die Mauer, der Wall, war nicht lange in Betrieb, aber die Reste kann man immer noch entlangwandern, und erst kürzlich las ich von jemandem, der die Insel in neun Tagen den Wall entlang durchmessen hat. Und das ist auch mein Vorschlag zum nächstjährigen Betriebsausflug des Umblätterers.

    Kurz bevor der bärtige Mauerkaiser starb, soll er folgende Worte gedichtet haben.

    »Little soul, little wanderer, little charmer,
    Body’s guest and companion,
    To what places will you set out now?
    To darkling, cold and gloomy ones –
    And you won’t be making your usual jokes.«

    Mit diesen Worten endeten Hadrians (physisches) Leben, die Ausstellung und dieser Text. Und ich dränge mich durch den Malstrom des Great Court und habe großen Appetit auf Kürbiscremesuppe.

  • Sacco di Roma

    Den Artikel von Andreas Kilb zur Sebastiano-Ausstellung in Berlin hatten wir schon. Er beginnt mit einer Schilderung des Sacco di Roma:

    »Am 6. Mai 1527 stürmt eine panische Menschenmenge in die Engelsburg. Rom befindet sich im Ausnahmezustand: Ein spanisch-deutsches Söldnerheer hat die Mauern erstürmt, zum ersten Mal seit den Gotenkriegen ist die Stadt in die Hände einer feindlichen Armee gefallen.«

    Unter denen, die Einlass in die Engelsburg erlangten, befand sich auch Sebastiano del Piombo, und die Erlebnisse um den Sacco di Roma scheinen tiefe Spuren in seinem Leben hinterlassen zu haben. Kilb erwähnt in seinem Artikel einen Brief, den Sebastiano zwei Jahre später an seinen Freund Michelangelo schrieb:

    »Ich bin nicht mehr der alte Bastiano, der ich vor dem Sacco di Roma war, ich komme immer noch nicht wieder zu Verstand.«

    Ich komme erneut auf diesen Artikel zurück, weil ich gerade die Autobiografie von Benvenuto Cellini lese, Zeitgenosse Sebastianos, Goldschmied, Bildhauer, Musiker und Schriftsteller, ein uomo universale der Renaissance.

    Auch er befand sich im Gefolge des Medici-Papstes Clemens VII. auf der Engelsburg, beteiligte sich selbst an den kriegerischen Auseinandersetzungen und bewies, anders als Sebastiano, fast schon Jünger’sche Kriegslust:

    »My drawings, my wonderful studies, and my lovely music were all forgotten in the music of the guns, and if I told in detail the great things I did in that cruel inferno I would astonish the world.«

    Nun dachte ich, dass Benvenuto und Sebastiano sich doch mal über den Weg laufen würden in der belagerten Burg, schließlich war Sebastiano in Abwesenheit Michelangelos der wichtigste Maler in der Stadt, aber er wird nicht erwähnt. Erst viel später und in anderem Zusammenhang kommt Cellini in seiner Autobiografie auf ihn zu sprechen.

    Ebenfalls in der Stadt hielt sich Parmigianino auf, allerdings nicht auf der schützenden Engelsburg. Er war in seinem Studio und arbeitete an einem Bild, welches Vasari wie folgt beschreibt:

    »… he painted in the air the figure of Our Lady who is reading and has the Christ Child between her knees, while on the ground below he showed, kneeling on one knee, the figure of St John, who turns his body and points to Christ, in an extraordinarily beautiful attitude, and also here on earth the foreshortened figure of St Jerome in Penitence, lying asleep.«

    Dieses wunderbare Altarbild hängt heute in der Londoner National Gallery, und neben Bronzinos berühmter »Allegorie« ist es das beste manieristische Werk dieser Sammlung. Jedenfalls bemerkte der in seine Arbeit vertiefte Parmigianino nichts von den marodierenden Truppen in der Stadt, auch nicht, als diese bereits in sein Haus eindrangen, und Vasari zufolge wäre es um ein Haar um den Kleinen aus Parma geschehen gewesen:

    »But when they reached him and saw him at work, they were thunderstruck at the painting which they saw, and, like the gentlemen they must have been, let him continue. And so while the poor city of Rome was being devastated by the impious cruelties of those barbarian troops, profane and sacred things alike, with no respect to God or men, Francesco was provided for and greatly honoured by those Germans, and protected from all harm.«

    Es geht sicher nicht nur mir so, aber immer mal wieder kommt es dazu, dass Leute erzählen, was sie am 11. September gemacht haben, also wann haben sie es erfahren, wo waren sie und was haben sie gemacht und gedacht, und dann ist der nächste dran, und wenn man Pech hat, geht es dann reihum. Erst vor ein paar Tagen gab es mal wieder so eine Nummer, dieses Mal war auch jemand dabei, der zu dieser Zeit gerade in New York war, alles gesehen, hundert Meter entfernt, konnte den Piloten erkennen, was haben wir gegähnt … was ich mich aber frage ist, ob denn in den Jahren nach dem Sacco di Roma auch so gesprochen wurde. Das wäre auch mal ein Vorschlag für einen Film zum Thema: »Sacco di Roma – Wo warst du am 6. Mai?«

  • Wyndham Lewis

    Eliot überall. Im Hofgarten und am gleichen Tag an der Themse, zwar bin ich nicht rezitierend am Flusse spaziert, aber dennoch hatte ich Eliot im Kopf und in »The Waste Land« heißt es auch passend:

    Sweet Thames, run softly till I end my song,
    Sweet Thames, run softly, for I speak not loud or long.

    Am Embankment dann ein Stück aufwärts sind es nur ein paar Schritte bis zur National Portrait Gallery, und dort gibt es seit Anfang Juli eine Wyndham-Lewis-Ausstellung zu sehen und, mit Eliot befreundet, hat Lewis diesen auch häufig porträtiert.

    Ich muss aber gestehen, dass mich die Porträts von Ezra Pound noch mehr anzogen, besonders eine schwungvolle Bleistiftzeichnung, welche auch in der FT Weekend im Artikel von Jackie Wullschlager, »An angular vision«, abgebildet war.

    In der Ausstellung ist dann eine ganze Wand mit Ezra-Pound-Porträts zu sehen, und noch schöner als das Lockvogelbild aus der FT ist ein Gemälde, welches Pound schlafend zeigt, wohlig zurückgelehnt, eine Zeitung auf dem Tisch.

    Und YouTube sei Dank kann man neben Eliot auch der vibrierenden Stimme von Pound lauschen, mit der er seine eigenen Cantos rezitiert. Beim Suchen fand ich dann eine Verwurstelung anscheinend von und auf jeden Fall mit Jonathan Meese, dessen Kunst mir zwar ziemlich schnuppe ist, aber an den ich gern denke, weil Moritz von Uslar ihn im »Spiegel« mal ganz wunderbar zitiert hat, wie er zu einer lebendigen Kuh liebevoll sagte: »Du süße Maus«, oder so ähnlich.

    Jedenfalls gibt es da bei YouTube dieses Stück »Jonathan Meese – ›Ezra Pound‹«, und das klingt natürlich erstmal alles ganz schrecklich, ist es aber nicht. Zu Samples von »Der Räuber und der Prinz« von DAF hört man eine Rezitation von Pound (»Hugh Selwyn Mauberly, Part I«: »For three years, out of key with his time, / He strove to resusciate the dead art …«), und im Hintergrund hört man Schafe blöken.

    Dazu führen Meese und Konsorten einen irren Tanz auf, und das ist einfach genau DAS GROSSE KINO, welches so gern und so oft herbeizitiert wird. Es scheint sich um einen Teil einer Aufführung an der Berliner Volksbühne zu handeln, mehr weiß ich nicht und google mir deswegen nicht die Finger wund.

    Aber zurück in die Lewis-Ausstellung. Seine besten Bilder entstanden in und um die 20er-Jahre und erinnern ziemlich an die Neue Sachlichkeit. Eines seiner Selbstporträts könnte man bei flüchtigem Blick glatt für Christian Schad halten, aber auch futuristische und kubistische Elemente schwingen hinein und herum.

    Aber gut, was soll die zeitliche Beschränkung, auch spätere Werke begeistern, wie zum Beispiel das 1943er Porträt von Edith Sitwell (auch im Sessel, in grünem Übermantel und mit leicht aufgetürmtem Hut), bei welchem er einfach die Hände weglässt. Das fällt nicht sofort auf, obwohl Sitwell der Meinung ist, dass diese ihr bestes Feature seien, wie man in der Bildunterschrift lesen kann.

    Lewis hat aber nicht nur gemalt, sondern auch geschrieben, und das nicht zu knapp: ganze 17 Titel, mit denen er allerdings gehörig daneben gegriffen hat. Waldemar Januszczak schreibt in seinem Artikel »Wyndham Lewis’s big mistake« in der »Times« dazu:

    Some people drop clangers. Lewis dropped the entire carillon of bells.

    Sein Artikel beginnt folgendermaßen, und vielleicht hätte das auch hier etwas früher kommen sollen, der viel beschworene Wermutstropfen:

    Wyndham Lewis supported Hitler. I mention it straightaway, because I don’t want it looming up later to shipwreck my praise. Supporting Hitler – writing books in favour of the Führer – was Lewis’s greatest mistake as a controversialist. It ruined his reputation as an artist, turned him into a national hate figure and ensured that nobody would ever again take him seriously as a thinker.

    Im Untertitel zu diesem Artikel kommt Januszczak aber zu dem Schluss: »Yes, he was a fascist sympathiser, but the firebrand vorticist Wyndham Lewis is still one of our finest portraitists.« Und das stimmt eben auch.

  • Der nicht existierende Zusammenhang: Die Sachsen LB und Robert Graves

    Die FAS will Paco machen, er ist irgendwo in Tottenham verschollen, seiner alten Hood, ich fahre da nie hin, wer fährt schon gern nach Tottenham (oder T’nam, wie Leute von da immer sagen).

    Dafür noch mal kurz zum »Spiegel«-Artikel über die Sachsen LB (Ausg. 28, S. 80 ff.), kurz bevor morgen offiziell die neue Ausgabe erscheint. Habe den mit großer Lust gelesen, inhaltlich und auch von der Schreibe her mehr als super, da stimme ich jedem, der das auch sagt, voll zu.

    Irgendwo ist es natürlich auch gemein, wie da über die Provinz­banker abgelästert wird, andererseits schwingt ein Hauch Nick Leeson mit, obwohl es in dieser Geschichte keine schillernde Persönlichkeit gibt, die da allein auf die Kacke gehauen hat, außer vielleicht Wilsing, aber der kommt dann doch ein wenig zu sehr als smart ass rüber. Geil natürlich auch, wie da KPMG und PwC nichts so richtig gepeilt zu haben scheinen. »Casino provincial« ist auch schon ein geiler Titel für den Artikel.

    Ich habe mir heute auf dem Flohmarkt zwei Bücher von Robert Graves gekauft, über: griechische Mythologie. Später im Kaffeehaus meiner Wahl habe ich dann festgestellt, dass das der Autor von »I, Claudius« ist. Ich werde das heute endlich mal anfangen zu kucken (Pacos Review hier).

    Neulich sprach ich mit meinem Newsagent darüber, und der kannte die Serie noch aus seiner Kindheit, als sie zum ersten Mal auf BBC lief, und er befand sie ebenfalls für sehr gut. Ich habe ihm dann (erneut!) ans Herz gelegt, endlich »Rome« zu schauen. Aber wie immer sagt er nur etwas gelangweilt: »Erm, I don’t know.«

  • Patrick Leigh Fermor

    Nachdem Paco und ich fünf Stunden mit Jonathan Dimbleby in Russland waren und Paco in seinem Text Wolfgang Büschers 82-tägigen Fußmarsch von Berlin nach Moskau erwähnte, setze ich die Assoziationskette mal fort.

    Denn ich las parallel zufälligerweise Patrick Leigh Fermors »Between the Woods and the Water«. Fermor (God of travel literature!) brach 1933 vom Hoek van Holland aus nach Konstantinopel auf, zu Fuß.

    Im ersten Teil, »A Time of Gifts«, wandert er durch Holland, Deutschland, Österreich, Tschechien und die Slowakei. »Between the Woods and the Water« setzt sich mit dem Donauübertritt nach Ungarn fort. Bevor der Text beginnt, gibt es übrigens als Epigraph folgende Schiller-Passage, auf Deutsch zitiert:

    Völker verrauschen,
    Namen verklingen,
    Finstre Vergangenheit
    Breitet die dunkelnachtenden Schwingen
    Über ganzen Geschlechtern aus.

    Schiller
    from Die Braut von Messina

    Denn anders als Dimbleby und Büscher (ok, Dimbleby can at least do ›spasibo‹, hehe), lernt Fermor auf seiner Wanderung einigermaßen Deutsch und interessiert sich auch für all die anderen Sprachen und Dialekte, denen er auf seinem Weg begegnet. Als er zum Beispiel, nachdem er Ungarn durchquert hat, die ersten Rumänen in Transsilvanien trifft, heißt es:

    »They could all understand my hard-won fragments of Magyar; but I soon felt that the language they spoke to each other would be much easier to learn. A man was om, a woman, femeie; and ochi, nas, mâna and foaie were eyes, nose, hand and leaf. They were a little puzzled at first by my pointing at everything in sight with gestures of enquiry. Dog? Ox? Cow? Horse? Câine, bou, vaca, cal! It was marvellous: homo, femina, nasus, manus, folium, canis, bos, vacca, and caballus thronged through my brain in a delirious troop. Câmp was a field and fag a beech-tree (… ›quatit ungula campum!‹ … ›sub tegmine fagi …!‹). How odd to find this Latin speech marooned so far from its kindred!«

    Klar, das ist schon alles ein bisschen anders als bei Dimbleby, aber man muss bedenken, dass Letzterer eine BBC-Fernseh­doku­mentation macht und damit einem medialen Zwang unterliegt. Und trotzdem ziehe ich Parallelen, natürlich weil ich es gerade gelesen habe und es auch in (im weitesten Sinne) Osteuropa spielt.

    Doch daneben sind es diese kleinen historischen Bögen, die beide aufschlagen, wenn Dimbleby über die Herkunft der Tataren philosophiert oder Leigh Fermor über die der Magyaren, und kurioserweise gibt es ja zwischen beiden durchaus Verbindungen.

    Und es ist auch die Art, sich mit all diesen verschiedenen Menschen verschiedener Klassen und Völkern unbedingt einzulassen, ohne Bewertung, ohne Schmäh, mittendrin und doch mit der nötigen Distanz.

    Fermor hat seine Bücher viele Jahrzehnte nach seiner Reise geschrieben, basierend auf seinen Aufzeichnungen. Bei Reiseantritt war er gerade 18 Jahre alt. Er hatte danach also genügend Zeit, die historischen und kulturellen Kontexte zu verfeinern. Fermor ist mittlerweile 93 Jahre alt und arbeitet angeblich noch immer am dritten und letzten Band über seine Reise.

  • Die FAS vom 6. 7. 2008: Die nackten Wandersleut

    Ich diskutiere noch immer mit Paco, inwieweit der Artikel »Raus aus den Klamotten, rein in den Wald« von Philip Eppelsheim in der letzten FAS (S. 58) zu ›Porno & Feuilleton‹ passen könnte. Paco meint: überhaupt nicht, und das stimmt eventuell auch.

    In genanntem Artikel jedenfalls beschäftigt sich Eppelsheim mit dem zunehmenden Phänomen des Nacktwanderns und beschränkt sich dabei nicht auf die Befragung von Anhängern und Opfern (hehe) dieses Hobbys, sondern entscheidet sich knallhart für teilnehmendes Beobachten.

    Er lässt also die Hosen runter und marschiert mit Socken, Schuhen, Rucksack und sonst nichts bekleidet mit einer Gruppe nackter Wandersleut durch den Wald.

    »Nach zehn Minuten gibt Helmut das Kommando: ›Fertigmachen, es kann losgehen.‹ T-Shirt und Shorts fallen. Und Helmut steht da, wie Gott ihn schuf. Abgesehen von den Snoopy-Socken und den Turnschuhen.«

    Die Rucksack tragenden Nackedeis auf dem zugehörigen Foto, welches der Autor selbst schoss, sehen auch einigermaßen bizarr aus.

    Ich denke bei Wanderslust, im Allgemeinen nicht der nackten, an Schubert und die schöne Müllerin, aber schöne Müllerinnen scheinen dieser entblößten Lust eher selten zu frönen:

    »Wobei ich mich allerdings frage, weshalb fast nur Männer jenseits der vierzig mitlaufen. Warum hat der Mann fortgeschrittenen Alters das Bedürfnis, sich zu zeigen, wie die Natur ihn schuf?«

    Weil sie eben Individualisten seien und nicht 08/15, antwortet einer der Nacktwanderer.

    Sechs Stunden hat Eppelsheim sich das angetan, Radfahrer und bekleidete Wanderer kamen über den Weg und sogar ein Hubschrauber zog seine Kreise über den Nackten. Eine Leidenschaft konnte er für dieses Hobby nicht entwickeln:

    »›400 Meter noch.‹ Helmuts Worte – eine Erlösung. Schnell in die Klamotten. Helmut hat vorausgesagt, dass sie unangenehm zwicken werden. Tun sie nicht. ›Bist du nächste Woche wieder dabei?‹, fragt Helmut. Mein Blick verrät mich. Eher nicht.«

    Von Feuilleton-Seite 1 (S. 23) strahlt ein wunderschönes Biedermeier-Familienporträt von August von der Embde (»Portrait der Familie von Ditfurth«, 1829). Die Besitztums­verhältnisse sind strittig, Johanna Adorján hat den Text zum Bild geschrieben, darin geht es weniger um das Bild selber, dessen Marktwert mit ca. 30.000 bis 40.000 Euro vergleichsweise gering ist. Es geht eher um die Geschichte drumherum, »eine deutsche Geschichte«, wie es im Untertitel heißt.

    Öffentliche Nacktheit kommt mir auch immer wie eine deutsche Geschichte vor. Eine schwedische Freundin, die nur einmal in Deutschland war, in Hamburg, wurde dort von ihren Gastgebern angeblich zu einer Nacktparty in einem Schwimmbad mitgenommen. Es habe Drinks und Häppchen gegeben und alle seien nackt gewesen. Sie dachte, das sei in Deutschland normal.