An einem dieser heißen Tage saß ich auf dem Balkon und las in der S-Zeitung. Stefan Ulrich berichtete über die italienische Krawattenkrise, bei der sich das ganze Land über das Für und Wider des Tragens dieses Kleidungsstücks bei sommerlicher Hitze auszulassen schien.
»Sage keiner, die Krawatte sei nur ein lästiges Accessoire. Denn zum einen schützt sie ihren Träger vor Halsentzündungen, zum anderen verrät sie einiges über seine Persönlichkeit.«
Ich dachte an die verschiedenen Krisen der Institutspersönlichkeiten und daran, dass eine Krawattenkrise uns noch nicht untergekommen war. Wie sollte sie auch – sind wir uns doch darin einig, dass die Krawatte zum Abendland gehört wie die klassische Ahmadinejacket auf des Rentners Leib.
Allerdings gelten wir Deutschen (hehe) ja auch nicht als Gestalter, sondern als »Opfer der Mode«, wie es Jens Jessen vor Jahren einmal in der »Zeit« zusammenfasste. Glücklicherweise unterscheidet unsere Sprache nicht zwischen sacrifice und victime, was uns, zumindest für die Art der Opferrolle, eine Wahl lässt.
Da sich nun aber die wenigsten Deutschen überhaupt in einen Mode-Kultur-Kontext hineinziehen lassen, wird uns das Durchleben solcher Krisen leider auf ewig verwehrt bleiben.
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