Eigentlich hätte Leonardos Portrait der Cecilia Gallerani, der »Dame mit dem Hermelin«, den Ruhm der Mona Lisa haben bzw. diesen noch übertreffen sollen. So lautet zumindest die Legende und dafür gibt es auch viele Argumente.
Und eigentlich hängt das Bild im Czartoryski-Museum, doch im letzten Jahr hat es eine große Europatour absolviert (Madrid–Berlin–London). Ich wäre auch fast irgendwo hingegangen, zum Beispiel am Eröffnungstag der »Gesichter der Renaissance« ins Bode-Museum. Ich war gerade zufällig in der Stadt und in der Nähe der Museumsinsel und hatte noch ein bisschen Zeit und schaute vorbei, doch das Museum kämpfte von Tag eins an gegen den Besucherstrom und ich kam also nicht so einfach da hinein. Herausgesprungen ist dann immerhin noch eine unglaublich gute Currywurst am Bahnhof Friedrichstraße und das ist ja auch nicht so schlecht.
Bei der Leonardo-Retrospektive in London erging es mir ähnlich. Ich schlenderte wiederum eher zufällig an der National Gallery vorbei und hatte nicht genug Zeit, die restriktiven Einlassmethoden zu überstehen, und so entging mir auch dort die Besichtigung. Wiederum war ein Wurststand in Reichweite, diesmal gab es einen dieser ziemlich furchtbaren englischen Hotdogs. Die Würste sind so ein eigenartiges Hybrid aus Thüringer und Frankfurter mit sehr hohem Getreideanteil und sie schwimmen immer zusammen mit leicht angebratenen Zwiebeln in einer öligen Brühe. Diese Hotdogs soll man normalerweise, wenn überhaupt, nur nach 3 Uhr nachts essen, ich tat das nun am hellichten Tag und vollkommen nüchtern und hätte es mir aber weitaus schlimmer vorgestellt.
Inzwischen ist Leonardos Hermelinfrau wieder in Krakau angelangt und mit einem strikten Reiseverbot belegt worden. Laut »Art Newspaper« darf sie die Stadt in den nächsten 50 Jahren nicht mehr verlassen. Nun war ich neulich vor Ort, und das Czartoryski-Museum ist zwar wegen Renovierung geschlossen. Doch kann man das Gemälde, nur dieses eine, in einem speziellen Saal auf dem Krakauer Wawel besichtigen. Ich war etwas unsicher, ob ich da überhaupt noch hingehen sollte, nach all den verpassten Chancen. Außerdem kenne ich das Bild aus minutiösen kunsthistorischen Beschreibungen und von Reproduktionen, und sagte nicht schon Andy Warhol, als die Mona Lisa, also die echte, in den 60ern nach New York verschifft wurde: »Why didn’t they just send a copy. No one would know the difference.«
Ich bin dann doch in den Wawel gegangen, zur Frau mit dem Hermelin, zu Cecilia Gallerani, und hielt mich eine ganze Weile da auf und schlenderte anschließend langsam wieder hinunter in die Stadt zurück und aß auf dem Rynek Główny eine leckere Krakauer. Es hat sich gelohnt.
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